Fritzlarer Autoklau-Prozess: Staatsanwalt hatte zehn Jahre Haft gefordert

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Autodiebstahl: Heute wird das Urteil erwartet. Hochwertige Wagen der Marke Mercedes wurden gestohlen. 

Kassel/Fritzlar. Im Prozess um eine Serie von Autodiebstählen aus Autohäusern in Nordhessen und Südniedersachsen stand am Mittwoch das Plädoyer des Verteidigers an.

Staatsanwalt Niels Hauth hatte vergangene Woche eine Gesamtstrafe von zehn Jahren Haft für den angeklagten Litauer gefordert. Dabei setzte er für den spektakulärsten Fall, bei dem einem Mercedes-Händler in Fritzlar zehn Fahrzeuge entwendet worden waren, eine Einsatzstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten an.

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Der Staatsanwalt sah den Angeklagten in zehn Fällen von schwerem Bandendiebstahl als Mittäter überführt. Man habe es mit „organisierter Kriminalität“ und „mafia-artigen Strukturen“ zu tun. Der Angeklagte gehöre seit spätestens Ende 2010 einer internationalen Autoschieber-Organisation mit Sitz in Litauen an - und sei in diesem Zusammenhang bereits wegen Hehlerei verurteilt worden.

Doch wenige Monate nach der Haftentlassung habe der Litauer sich in führender Rolle an den angeklagten neuen Taten - unter anderem in Einbeck, Göttingen, Bad Arolsen, Bad Wildungen und Niederaula - beteiligt. Innerhalb von vier Monaten zwischen November 2012 und März 2013 sei die Gruppe in neun Autohäuser eingebrochen, habe meist Tresore aufgebrochen, Fahrzeugschlüssel entnommen und dann die entsprechenden Wagen entwendet. Einmal sei der BMW eines Privatmannes gestohlen worden.

Insgesamt gehe es um Autos mit einem Wert von rund 1,3 Millionen Euro. Ein Großteil der Wagen wurde später sichergestellt. So war es auch im Fritzlarer Fall gewesen. Den nannte der Staatsanwalt eine „besonders dreiste Aktion“. Ein Auto-Diebstahl im Wert von 850.000 Euro liege sicher an der Obergrenze dessen, was in Deutschland bislang vorgekommen sei. In zwei Chargen müssten die Täter die zehn Wagen fortgefahren haben. Acht der Autos waren einen Tag später in einer Halle in Homberg-Berge wieder aufgespürt worden, zwei weitere später andernorts.

Dass der Angeklagte beim Fritzlarer Einbruch vor Ort gewesen sei, beweise ein Abdruck seines Schuhs im Autohaus, so der Staatsanwalt. Auch habe eine Zeugin den Litauer auf einem Foto als den Mann wiedererkannt, der ihr einmal Miete für die Homberger Halle übergab.

Weitere Argumente des Staatsanwalts: Eine Zeugin habe im Angeklagten den Mann erkannt, der eine Wohnung am Kasseler Wesertor gemietet hatte, die der Tätergruppe als Unterschlupf gedient habe. Dort seien seine DNA, sein Ausweis und Diebesgut aus Bad Arolsen gefunden worden. Am 31. März 2013 sei der Litauer mit einem in Einbeck geklauten Wagen angetroffen worden.

Quelle: HNA

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