Backen gegen Aids

Miriam Fuchs war nach der Schule ein Jahr in Südafrika – jetzt wird sie Konditorin

Möglichst geringe Kosten: Miriam Fuchs half in Südafrika dabei Ketten, Schalen und Matten aus Naturmaterialien oder Müll zu basteln und zu verkaufen. Foto: Dittrich

Mardorf. Vor einem Jahr ging sie noch zur Schule in Fritzlar, jetzt war sie ein Jahr in der Region Mpophonemi, Kwazulu-Natal unterwegs. Dort hat sie HIV- und Tuberkulose-Patienten Essen gebracht, mit ihnen gebacken und gebastelt.

Miriam Fuchs flog alleine nach Südafrika, organisierte alles für ihren einjährigen Aufenthalt selbst. Jetzt, ein Jahr später weiß sie, was sie will. Durch die Zeit in der Ferne sei sie selbstständiger und selbstbewusster geworden, sagt die 20-jährige Mardorferin: „Ich habe am Ende über mich gestaunt.“ Denn sie habe das alles gut hinbekommen.

In dem Hilfsprojekt „Ethembeni - Place of Hope“ war sie vor Ort nicht nur eine der wenigen Helfer mit weißer Hautfarbe, sondern auch mit die erste Deutsche.

Das Ethembeni-Projekt betreut Familien in Armenvierteln, sogenannten Townships. Miriam brachte zusammen mit den anderen Helfern Lebensmittel und Medikamente zu den Familien, spielte und lernte mit den Kindern und unterstützte die Frauen im Alltag. Sehr schnell sehe man, wie sich im Grunde alles um Bildung drehe, erzählt sie. Das Ziel von Ethembeni sei es, alleinerziehenden Frauen in ihrem Selbstebewusstsein zu stärken, und dass die Kinder regelmäßig zur Schule kommen und sie ein stabiles Zuhause haben.

Ein erster Zugang zu den Familien wird durch gemeinsame Aktionen wie basteln, backen und Englischkurse geschaffen. Letztlich gehe es dabei um Aufklärung und die Hilfe zur Selbsthilfe.

Denn vor allem in den ärmeren Regionen des Landes hätten Frauen oft mehrere Kinder und seien auf sich gestellt, denn viele Männer kümmerten sich wenig um den Nachwuchs, so Fuchs. Es fehle an Essen, Geld und Bildung. Viele Menschen könnten weder schreiben noch lesen. Unterernährung, Armut, Drogenmissbrauch und Krankheiten seien die Folge von all dem. Hilfe vom Staat gebe es kaum.

Essensausgabe: Rike Falken (links) aus Hamburg mit Miriam Fuchs. Foto: privat

Die 20-Jährige stellte den ersten Kontakt zu dem Hilfsprojekt per E-Mail her. Es habe bei der Organisation der Reise ein paar Probleme gegeben - so erhielt sie ihr Visum erst einen Tag vor der geplanten Abreise. Ein klarer Vorteil sei die eigene Planung der Reise dennoch gewesen, erklärt sie. Denn so habe sie von Beginn an viel Kontakt zu Einheimischen gehabt - anders als die Teilnehmer von großen Hilfsorganisationen.

Vor allem die ersten Monate waren anstrengend. Die Sprache der Einwohner, Zulu, war ihr fremd, außerdem galt es sich an Kultur und Klima zu gewöhnen. „Alles war neu, ich musste immer in Begleitung eines Einheimischen sein, der übersetzte“, erzählt die Mardorferin. Gefährlich sei es für sie nie geworden, auch wenn das Land nicht gerade als sicher gelte.

Nach dem Jahr in Südafrika weiß Miriam Fuchs jetzt auch, wie es für sie in Deutschland weitergeht: Ende des Monats beginnt sie eine Ausbildung als Konditorin - durch die Backkurse in Südafrika spürte sie, dass ihr der Umgang mit Lebensmitteln liegt. Zurück nach Südafrika zieht es sie auch: „Ich möchte wissen, was aus den Kindern geworden ist.“

Von Benedikt Dittrich

Quelle: HNA

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