Betriebe in Borken und Frielendorf laufen weiter

Bäckerei Becker ist insolvent

Dort sollen weiter Brötchen gebacken werden: Auch wenn die Borkener Bäckerei Becker Insolvenz angemeldet hat, will Verwalter Hans-Jörg Laudenbach den Ofen im Frielendorfer Backhaus Schott nicht ausgehen lassen. Foto:  Laumann

Borken/Frielendorf. Die Borkener Bäckerei Becker hat am Freitag beim Amtsgericht Fritzlar einen Insolvenzvertrag gestellt.

Das berichtet Insolvenzverwalter Dr. Hans-Jörg Laudenbach am Montag. Der Gießener Anwalt führt nun die Geschäfte des Betriebs, er will ihn in den kommenden Wochen „wieder in die richtige Spur" bringen und so viele Arbeitsplätze wie möglich retten". Das von Dieter Becker als Einzelunternehmen geführte Unternehmen beschäftigt an den beiden Standorten Borken und Frielendorf 32 Mitarbeiter und drei Auszubildende.

Sie erhalten bis zum 1. April Insolvenzausfallgeld. Da auch im Januar und Februar die Gehälter nur teilweise gezahlt worden seien, zahlt die Bundesagentur für Arbeit nur bis April. Auch wenn damit nur vier Wochen bleiben, um den Betrieb zu sanieren, zeigt sich Laudenbach optimistisch: „Wenn die Kunden ihr Vertrauen erhalten in den Betrieb erhalten und die Mitarbeiter es zurückgewinnen und nicht abspringen, schaffen wir das auf jeden Fall.“ Er will den Backbetrieb in Frielendorf aufrecht erhalten und damit auch Arbeitsplätze und Umsatz weiter sichern.

Die Bäckerei Becker war in die Schieflage geraten, nachdem sie vor genau einem Jahr den Frielendorfer Betrieb Schott übernommen hatte. „Diese Übernahme hat aber nicht so geklappt, wie beide Seiten sich das vorgestellt hatten“, sagte Laudenbach im HNA-Gespräch. „Beide Unternehmen verfolgten einfach sehr unterschiedliche Philosophien.“ Das habe dazu geführt, dass die beiden Betriebe nicht reibungslos zusammengeführt werden konnten: „Wenn man durch eine Übernahme Kosten sparen und Synergieeffekte nutzen will, muss man klare Entscheidungen treffen - auch solche, die wehtun“, sagte Laudenbach.

Um solche Entscheidungen wird auch er in den kommenden Wochen nicht herum kommen. Sein Ziel lautet: Die Bäckerei Becker zu retten.

Zulieferer hatte Insolvenz bei Kunden angekündigt - Insolvenzverwalter ist entsetzt

Schon in der vergangenen Woche hatte ein Frielendorfer Brötchenlieferservice an seine Kunden einen Zettel verteilt, der die bevorstehende Insolvenz der Firma Becker und das Ende des Backbetriebes ankündigte.

"Die Familie Becker hat nicht den Mut besessen, ihre Geschäftspartner frühzeitig zu informieren und auch Sie als Kunde waren ihnen anscheinend nicht wichtig genug", heißt es da in der Mitteilung, die der HNA vorliegt.

Aktualisiert um 16.20 Uhr.

"Das ist eine Wettbewerbspraxis, die voll unter die Gürtellinie geht", sagt Hans-Jörg Laudenbach: "So vernichtet man ganz schnell Arbeitsplätze." Denn nachdem jetzt der Insolvenzantrag gestellt worden sei, gehe es vor allem um Vertrauen. Und das werde auf eine solche Weise sehr schnell und sehr effektiv zerstört. Wenn es jetzt überall heiße, dass die Bäckerei Becker geschlossen sei, mache das alle Bemühungen zunichte, den Betrieb wieder zu sanieren. "Wir müssen jetzt richtig viele Brötchen backen und Geld verdienen", sagt Hans-Jörg Laudenbach. "Je weniger Kunden Brot und Brötchen kaufen, desto weniger Mitarbeiter brauchen wir, die sie backen."

Was die ohnehin kritische Situation weiter verschärfe sei die Tatsache, dass Marcus Schott fünf Verkaufsfahrzeuge von Dieter Becker zurückgefordert hatte, nachdem der eine Monatsmiete nicht bezahlt habe.

Vor einem Jahr war ihre Welt noch in Ordnung: Dieter und Heike Becker aus Borken (links) im März 2014 bei der Betriebübernahme mit Marcus Schott aus Frielendorf.

Die Autos sind nun für einen andere Bäckerei unterwegs genau wie deren Verkaufsfahrer. Die Mitarbeiter seien überrumpelt und abgeworben worden: "Da ist vieles sehr unfair gelaufen", sagt Laudenbach. "Mit diesen Fahrzeugen hätten wir jetzt deutlich mehr Arbeit und deutliche bessere Umsätze. Auf diese Art ist der Betrieb weiter geschwächt worden." In wie weit es rechtlich möglich ist, dass Schott die vermieteten Autos zurückforderte, müsse geprüft werden.

Den ehemaligen Verkaufsfahrern könne man deshalb keine Vorwurf machen: Sie hätten schlicht Angst um ihre Jobs gehabt, hätten sich in einer verzwickten Situation befunden und seien schließlich keine Arbeitsrechtler.

Jetzt aber seien die verbliebenen Mitarbeiter zur Loyalität aufgefordert, damit die Backöfen in Borken und Frielendorf weiter heiß laufen können. "Es hilft alles nichts: Wir müssen gucken, dass wir wieder schnell auf die Beine kommen", sagt Hans-Jörg Laudenbach. Er gibt sich trotz aller Widrigkeiten sehr zuversichtlich: "Wir haben keinen Anlass, den Kopf hängen zu lassen und in den Sand zu stecken."

Quelle: HNA

Kommentare