Für die Bäder greift Frielendorf tief in die Tasche und hofft dennoch auf Gewinn

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Bad am See: Im Wellness-Paradies können Einheimische und Gäste baden, saunieren, den Kosmetik- und Massagebereich besuchen und einkehren.

Das Thema: Bei der Kommunalwahl am 27. März entscheiden die Wähler auch im Schwalm-Eder-Kreis, wer ihre Interessen in den Parlamenten der Städte und Gemeinden, im Kreistag und in den Ortsbeiräten vertreten soll.

In unserer Serie beschäftigen wir uns damit, welche Gestaltungsmöglichkeiten die Lokalpolitiker in Zeiten knapper Finanzen noch haben. Das Thema heute: So teuer sind die Schwimmbäder.

Frielendorf. Baden, Freizeit und Wellness sind in der 8300-Einwohner-Gemeinde Frielendorf seit Langem Topthemen. Der Luftkurort setzt auf Tourismus und feilt an seinem Profil für zahlende Gäste. Größter aber auch umstrittenster Coup der Lokalpolitik war der Bau des Wellness-Paradieses mit Hallenbad, verschiedenen Saunen und Rutschbahn am Silbersee. 6,4 Millionen Euro hat der schicke Bau mit viel Glas und der kühnen Dachwölbung gekostet, 3,1 Millionen Fördergeld strich die Gemeinde ein.

"Es ist eine Erfolgs-Story", meint Bürgermeister Birger Fey, bis zu 150 Besucher werden pro Tag gezählt. Doch noch heute, knapp eineinhalb Jahre nach der Eröffnung, pochen kommunalpolitische Mahner darauf, dass das Engagement der Gemeinde zu kostspielig sei.

Mitte der 90er-Jahre waren erste Ideen zum Bau eines Ganzjahresbades aufgetaucht, seit Anfang 2000 wurde das Projekt in der ehemaligen Bergbaugemeinde vorangetrieben: Mit dem veralteten Hallenbad des Ferienwohnparks, 16 mal acht Meter, war kein Staat mehr zu machen. Was damals kaum jemand ahnte: Die als "natürlicher" Betreiber vorgesehene Genossenschaft Ferienwohnpark ging kurz nach der Eröffnung im Dezember 2009 in die Insolvenz, seit dem vorigen Frühjahr muss Frielendorf sein Wellnessparadies selbst betreiben, obwohl im Haushalt 2010 ein Loch von knapp zwei Millionen Euro klafft.

Bürgermeister Fey hofft, das unvermeidliche Defizit auf unter 100 000 Euro pro Jahr halten zu können. Für ihn und die große Mehrheit der kommunalen Mandatsträger ist die Errungenschaft ohne Alternative, wenn man im touristischen Geschäft bleiben will. Daran, so Bürgermeister Fey, hängt die Entwicklung der Betriebe, der Arbeitsplätze, der Gewerbesteuer, der Kaufkraft und der Gewinnung neuer Gäste. "Das gibt es nicht zum Nulltarif", sagt der

Bürgermeister.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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