Forstamt Melsungen lässt einzelne alte Buchen, Eichen und Fichten stehen

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Vor einem Habitatbaum: von links Jens Grebe (Revier Altenbrunslar), Stephan Heine (Personalrat), Sebastian Keidel (Bereichsleiter Produktion), Werner Boderke (technischer Funktionsbeamter), Forstamtsleiter Christian-Peter Foet, Rolf Strieder (Revier Kaltenbach), Staatssekretär Mark Weinmeister, Andreas Heimann (Revier Eiterhagen), Peter Rothämel (Revier Fahrenbach) und Christian Feußner (technischer Forstoberinspektor-Anwärter).

Melsungen. Habitatbäume nennt der Forstmann die Bäume, die nicht gefällt werden. Sie bleiben stehen, um Tieren Lebensraum zu bieten: Durch abgebrochene Äste entstandene Höhlen bieten Fledermäusen Unterschlupf, auf anderen nisten seltene Vögel.

Zwar entgeht dem Forstamt der Gewinn durch den Holzverkauf. Doch, so Melsungens Forstamtsleiter Christian-Peter Foet: „Habitatbäume sind das Grundgerüst für den naturgemäß bewirtschafteten Wald.“

Drei solcher Habitatbäume sind das Minimum pro 10.000 Quadratmeter Wald. Es können aber mehr sein, wenn es viele schützenswerte Bäume in einem Gebiet gibt. 10 500 solcher mindestens 100 Jahre alter Bäume bleiben im Forstamtsbereich Melsungen stehen. Bis 2014 soll das Ziel erreicht sein. Sie bleiben stehen, bis sie ihre natürliche Altersgrenze erreicht haben und sind als Totholz immer noch ein wertvoller Lebensraum, dann für für Kleinstlebewesen.

Was für das Forstamt Melsungen gilt, gilt auch für die anderen Reviere in Hessen. Weil Mark Weinmeister, Staatssekretär im Umweltministerium an der neuen Naturschutzleitlinie mitgearbeitet hat, zeigte er großes Interesse daran, wie das Habitatbaum-Konzept als Teil der Leitlinie - freiwillig - umgesetzt wird.

Die ökonomische Nutzung des Waldes stehe zwar an erster Stelle, doch würden damit auch Waldwege, Natur- und Nationalparks finanziert.

Auf 5000 Euro an Einnahmen wird das Forstamt Melsungen allein wegen der 29 Habitatbäume in einer Abteilung des Reviers Kaltenbach verzichten. Dort hat der technische Forstoberinspektor-Anwärter Christian Feußner eine Bestandaufnahme gemacht. Hintergrund

Der Förster unterteilt in obligatorische und fakultative Habitatbäume. Was ist der Unterschied?

Obligatorische Habitatbäume weisen bereits größere oder kleinere Höhlen zum Beispiel für Spechtarten auf. Nach dem größeren Schwarzspecht ziehen in die Höhlen gerne Hohltauben und Dohlen - der Vogel des Jahres 2012 - ein. Zu den Obligatorischen zählen auch die Horstbäume für Kolkraben, Waldohreulen, Graureiher, Habichte, Mäusebussarde, Rot- und Schwarzmilane, Schwarzstörche, Turmfalken, Baumfalken, Wespenbussarde und Sperber.

Diese Möglichkeiten für Tiere bieten die fakultativen Habitatbäume noch nicht. Sie sind aber bereits erkennbar an Pilzen, abgestorbenen oder abgebrochenen Kronen (der Baum treibt jedoch wieder aus) oder mehrfach gekrümmten Stämmen.

Es können aber auch markante einzeln stehende Laubbäume sein, die unter die Rubrik „fakultativ“ fallen. (bmn)

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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