Wie Obermelsungen im 2. Weltkrieg verteidigt wurde

Bäume sollten die Panzer aufhalten

Obermelsungen. Reinhard Micke aus Melsungen ist auf Spurensuche. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die Verteidigung Obermelsungens aufzuarbeiten. „Denn man sollte aus der Geschichte lernen“, sagt der 67-Jährige. Er hat bei diesem Ereignis, das in sämtlichen Chroniken fehle, seinen Vater verloren.

Mithilfe von Zeitzeugen hat der pensionierte Lehrer nun die Geschehnisse von damals recherchiert.

So habe der Volkssturm aus Melsungen und Obermelsungen am 31. März 1945, einem Ostersamstag, auf Befehl der SS das kleine Dorf oberhalb Melsungen vor den aus Westen vorrückenden Amerikanern verteidigen müssen.

Vorher war die Fuldabrücke zwischen Melsungen und Obermelsungen von deutschen Soldaten gesprengt worden, ebenso Teile der Eisenbahnbrücke.

Drei Verteidigungsstellungen

Nach Mickes Recherchen waren drei Verteidigungsstellungen in Obermelsungen errichtet worden: eine etwas oberhalb des Hofes Kilian auf der linken Seite zwischen Elferhäuser Straße und dem Waldrand zum Ernstberg, eine weitere Stellung habe es am Ende der alten Elfershäuser Straße am Waldrand gegeben sowie eine dritte unterhalb des Heckeberges am Roten Rain zur Fulda hin.

Quer über die Straße gelegte Bäume, sollten, so hat Micke von Zeitzeugen erfahren, den Vormarsch der aus Richtung Elfershausen kommenden amerikanischen Panzer weiter verzögern. Die amerikanischen Panzer änderten ihre Route und gingen auf dem Hundsrück in Stellung und beschossen den Ort, weiß Micke. Scheunen, Häuser und Ställe wurden zerstört.

Anschließend seien die Panzer am Fuß des Eichelberges durch den Kesselbach gefahren und besetzten das Dorf. Die Bewohner wurden aus Häusern getrieben, die von den amerikanischen Soldaten durchsucht wurden.

Anschließend zogen die amerikanischen Soldaten über den Roten Rain und die halbe Eisenbahnbrücke weiter in Richtung Melsungen.

Sieben Tote bei den Kämpfen

Micke hat recherchiert, dass zwei deutsche Soldaten, drei Hitlerjungen, ein Volkssturmmann und ein Zivilist bei den Kämpfen in Obermelsungen ums Leben kamen. „Es gibt Hinweise, dass zwei Hitlerjungen standrechtlich erschossen wurden, weil sie den Befehl verweigerten“, behauptet Micke. Vier der gefallenen Soldaten sind in Gräbern auf dem Obermelsunger Friedhof beerdigt. Bis Mitte der 1960er habe es auf dem Obermelsunger Friedhof noch zwei weitere Soldatengräber gegeben, die aber später neu belegt worden seien und heute nicht mehr da sind. Micke hofft, herauszufinden, was mit den dort beerdigten Soldaten – Micke geht davon aus, dass es die erschossenen Hitlerjungen waren – passiert ist. (kam) Kontakt: Reinhard Micke, 0 56 61/27 86

Quelle: HNA

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