60 Menschen vor dem Rathaus

Bahnhof Treysa: Demonstranten kritisieren Hängepartie in Sachen Sanierung

Demonstration vor dem Rathaus: Rund 60 Teilnehmer setzten sich so für den raschen barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Treysa ein. Fotos: Haaß

Treysa. Bahnhofschreck, die Stufen müssen weg - immer wieder stimmten die Teilnehmer der Demonstration für die schnelle Sanierung des Treysaer Bahnhofs ihren Schlachtruf an.

Rund 60 Menschen haben vor dem Rathaus in Ziegenhain gegen den neuen Zeitplan der Bahn für das Vorhaben protestiert.

Als man am Montag bei einer Sitzung des Ortsbeirat Treysa erfahren habe, dass die Bahn frühesten 2019 mit den Bauarbeiten beginnen wolle, sei der Entschluss zur Organisation der Demonstration gefallen, erklärte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Patrick Gebauer. Gemeinsam mit Treysas Ortsvorsteherin Christel Östreich war Gebauer die treibende Kraft hinter dem Protest.

„Der Bahnhof ist eine Zumutung“, stellte der SPD-Mann unter dem Applaus der Demonstranten fest. Der barrierefreie Umbau in Treysa dürfe nicht länger verschoben werden, sondern müsse unmittelbar nach Beendigung der Arbeiten am Bahnhof Wabern 2017 begonnen werden, forderte Christel Östreich: „Wir lassen uns nicht zum Treppenwitz machen. Die Bahn muss jetzt einfach mal Farbe bekennen.“

Der Zeitpunkt für die Demonstration war wohlbedacht gewählt. Am Abend stand der Leiter des Bahnhofsmanagements Kassel, Leif Niklas Wulf, den Mitgliedern des Umwelt- und Verkehrsausschusses zum Thema Rede und Antwort. Auf dem Weg ins Rathaus musste der Bahnvertreter zwangsläufig an den Protestschildern vorbei und bekam den Unmut der Bürger hautnah mit. Viele folgten später als Zuhörer der Ausschusssitzung.

Wulf nutze das Podium für einen sehr technokratischen Vortrag. Begriffe wie Rahmenvereinbarung, Personenbahnhof, Lichtraumprofil und Sperrpause wurden ausführlichst erklärt und führten zu sichtlichen Ermüdungserscheinungen beim Publikum. Im Grund liege für das Projekt Planrecht vor und theoretisch könnten die Bauarbeiten morgen beginnen, sagte der Leiter des Bahnhofsmanagements. Der barrierefreie Umbau des Bahnhofs habe auch für die Bahn Priorität, so Wulf weiter: „Treysa ist uns wichtig.“

Das sagt die CDU

„Uns ist an einem zügigen Bahnhofsumbau sehr gelegen, da die aktuelle Situation für viele und uns unzumutbar ist. Jedoch bevorzugen wir als Mandatsträger Gespräche zu führen“, so CDU-Stadtverbandsvorsitzender Christian Brück gegenüber der HNA. Auf ihrer Internetseite schreiben die Christdemokraten, dass sie kein Verständnis aufbringen können für die Demonstration der SPD Treysa vor dem Rathaus, „seinen Ursprung findet die Verzögerung des Ausbaus beim ehemaligen Bürgermeister Wilhelm Kröll (SPD)“, heißt es dort.

Bahn erlaubt keine Zwischenlösungen

Laut Leif Niklas Wulf von der Bahn hat sich die Verzögerung aus mehreren Gründen ergeben: In Treysa sei man ursprünglich wegen der Regiotram von einer Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern ausgegangen. Dies sei nun hinfällig und man habe eine „Aufwärtskompatibilität“ [etwa: spätere Ausbaubarkeit] auf 76 Zentimetern einplanen müssen, erklärte Wulf: „Das hat dazu geführt, dass wir die geplante Zeitschiene nicht einhalten konnten.“

Um lange Sperrpausen zu vermeiden, sei es darüber hinaus erforderlich, Baumaßnahmen zu bündeln: „Wir bauen fast immer unter dem rollenden Rad.“

Auf Nachfrage rechnete Leif Niklas Wulf mit einem Baubeginn ab 2019 und einer Bauzeit von rund zwei Jahren.

Alternativen um die Situation am Treysaer Bahnhof kurzfristig zu verbessern, lehnte Wulf aus Sicherheitsgründen ab. Damit wird es wohl auch zukünftig weder einen Treppenlift noch Fahrradrinnen geben.

Ein gesicherter Weg über die Gleise für Rollstuhlfahrer stand für den Bahnvertreter ebenfalls nicht zur Diskussion.

Quelle: HNA

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