200 kamen zu Bürgerversammlung

Bahntunnel bei Zierenberg: "Niemand wird aus Betten fallen"

Gut besucht: Etwa 200 Besucher kamen zur Bürgerversammlung in das Zierenberger Bürgerhaus, um sich über den startenden Tunnelbau zu informieren. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Der Bau eines Bahntunnels bei Zierenberg war am Dienstag Thema während einer Bürgerversammlung. Informationen zum im nächsten Jahr startenden Tunnelbau gab es reichlich, viel Neues erfuhren die rund 200 Besucher im Zierenberger Bürgerhaus hingegen nicht.

Zu sechst waren die Vertreter der Kurhessenbahn/Deutsche Bahn gekommen, wohl wissend, dass kein besonders herzlicher Empfang auf sie warten würde. Viele Zierenberger, allen voran die in unmittelbarer Nähe zur Baustelle wohnenden Schreckenberger, hatten jüngst ihren Unmut über die mangelnde Informationspolitik von Bahn und Stadt beklagt.

Entsprechend gut vorbereitet waren die Bauherrenvertreter, die in einer umfangreichen Präsentation das bis Ende 2018 andauernde Bauvorhaben bis ins Detail erläuterten, Vergleiche zu anderen Tunnelbauten zogen und so versuchten, den Zierenbergern die Angst vor Lärm, Schmutz und extremen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr zu nehmen.

Versuch, Wogen zu glatten

Stellenweise gelang es ihnen, nicht aber hinsichtlich der zu erwartenden Lärmbelästigung. Zwar versuchte Peter Fritz, zuständiger Gutachter für Schall und Erschütterung, anhand eines Wusts aus Richtwerten die Wogen zu glätten, eine klare Aussage hinsichtlich der tatsächlich zu erwartenden Beeinträchtigungen fiel ihm jedoch schwer.

„Die Schwingungsemissionen unterschreiten die Anhaltswerte erheblich“, sagt Fritz, der auch hinsichtlich des Lärms von „moderaten Werten“ spricht. Lediglich für die zwei direkt an die Baustelle angrenzenden Häuser könnten die Richtwerte in der Spitze nicht eingehalten werden.

Selbst bei den drei Sprengungen pro Tag sei keine erhebliche Belästigung infolge von Erschütterungseinwirkungen zu erwarten, auch die Lautstärke „lässt keine Schreckenberg-Anwohner in der Nacht aus den Betten fallen“, fügte DB-Projektleiter Uwe Kneißl hinzu. Auf Nachfrage von Bürgermeister Stefan Denn sicherte er zu, auf Anwohnerbeschwerden bei eventuell aufkommenden Belästigungen während der Bauzeit zu reagieren.

Ein entscheidendes Entgegenkommen erwirkten die Zierenberger durch ihr hartnäckiges Nachhaken hinsichtlich des zu erwartenden hohen Lkw-Aufkommens in der Dörnbergstraße. Selbst wenn der Abtransport der Abbruchmassen derzeit ausschließlich werktags zwischen 7 und 20 Uhr über Wirtschaftswege geplant ist, sollen die leeren Lastwagen in unmittelbarer Nähe von Kindergarten, Grundschule und Schwimmbad zur Baustelle zurückfahren, was viele für unnötig erachten.

Hans-Martin König von der Kurhessenbahn sagte zu, zeitnah Alternativen zu prüfen, die den kompletten Verkehr über die Abtransportstrecke und somit fernab der Stadt ermöglichen könnte. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die L3214, die unmittelbar an den neuen Tunnel angrenzt, aus Sicherheitsgründen für etwa einen Monat gesperrt werden muss.

Offen blieb, was mit den rund 114 000 Kubikmetern Ausbruchmasse geschehen soll, von denen lediglich 17 000 Kubikmeter zur Verfüllung der alten Tunnelröhre herhalten sollen. Die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Variante eines Lärmschutzwalls bei Burghasungen wird derzeit auf Umsetzbarkeit geprüft, „hier müssen wir noch Gespräche führen“, sagt König.

Auch der TSV Zierenberg, der den Bau eines neuen Sportzentrums als Ideallösung sieht, kämpft weiter für seine Idee. Die Bauherren jedenfalls scheinen offen für alle Varianten, die ihnen den extrem kostenintensiven Abtransport in private Deponien erspart. DB-Projektleiter Kneißl: „Wer den Abbruch haben will und eine große Tüte hat, kann ihn gern nehmen.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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