Schon in wenigen Jahren könnten Nachfolger für hausärztliche Praxen fehlen

Bald fehlen Mediziner

Es ist ein Teufelskreis: Je mehr Praxen in der Region schließen, desto mehr steigt die Belastung für behandelnde Ärzte, was wiederum junge Mediziner abschreckt, dort zu praktizieren. Archivfoto: dpa

Schwalm-Eder. Zurzeit gibt es keinen Mangel an Hausärzten im Schwalm-Eder-Kreis. In den nächsten Jahren könnte es aber zu einem Nachwuchsproblem kommen. Das ist das Fazit einer aktuellen Analyse der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen.

In den 27 Städten und Gemeinden des Kreises liegt der Versorgungsgrad mit Hausärzten im Schnitt laut Analyse bei gut 109 Prozent. Von einer Unterversorgung wird bei Werten unter 75 Prozent gesprochen, ab 110 Prozent liegt nach den geltenden Maßstäben eine Überversorgung vor, heißt es in der Analyse.

Mehrere Szenarien

Das Bild könnte sich langfristig verändern. Das zeigt laut Analyse unter anderem die Altersstruktur der Allgemeinmediziner im Landkreis: 52 der 118 Ärzte sind zwischen 50 und 59 Jahre alt, 22 sind 60 Jahre oder älter. Wer wann in den Ruhestand geht, ist nicht prognostizierbar, weil die Ärzte dies selbst entscheiden. Deshalb erörtert die Analyse mehrere Szenarien. Bei einer Praxisabgabe mit 65 Jahren fehlen nach den Daten 2015 bereits 23 und 2020 insgesamt 56 Hausärzte – immer angenommen, für die Praxen werden keine Nachfolger gefunden.

Der KV Hessen zufolge wird es besonders in ländlichen Gebieten zunehmend schwierig, Nachfolger für hausärztliche Praxen zu finden. Sie setzt sich für eine Überarbeitung der Bedarfsplanung für Ärzte ein. Die geltenden Richtlinien seien dringend reformbedürftig. Karl Matthias Roth, Sprecher der KV Hessen, nennt einen Kritikpunkt: „Die Planungsgebiete, für die der Bedarf an Ärzten ermittelt wird, sind zu groß.“ Dadurch könne es Versorgungslücken in offiziell gut versorgten Gebieten geben, wenn Praxen ungleich verteilt sind. Für den Landkreis vermerkt die Analyse eine gute Verteilung der Hausarztpraxen. Trotzdem gibt es Unterschiede: „Auffällig ist, dass die Dichte der Praxen zum Beispiel in Fritzlar und Homberg deutlich stärker ist als in den anderen Orten. In der Gemeinde Ottrau gibt es zur Zeit gar keinen Hausarzt.“ (lgr) DREI FRAGEN

Quelle: HNA

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