Freundschaft seit Generationen: Familien pflegen Kontakt seit Erstem Weltkrieg

Band hält ein Jahrhundert

Man spricht französisch: Heinrich Eichler und seine Frau Margret reisen seit 1969 nach Frankreich, wo sie regelmäßig die Nachkommen des Kriegsgefangenen Ernest Bodereau besuchen. Foto: Rose

Christerode. Ernest Bodereau kam als Fremder. Und ging als Freund. Es ist fast 100 Jahre her, als der Großvater von Margret Eichler aus Christerode den jungen Franzosen als Kriegsgefangenen am Treysaer Bahnhof abholte und mit auf den Hof im Knüll nahm.

Das Band zwischen den Nachkommen aus beiden Familien hält bis heute. In Christerode sind das die Eichlers und die Morgens, in Frankreich sind es die Esnaults. Margret und Heinrich Eichler erzählen die Geschichte einer Freundschaft seit Generationen.

„Auf dem Hof hat er deutsch gelernt. Nach dem Krieg kehrte er nach Frankreich zurück und schrieb meinen Großeltern Briefe. Die werden bis heute gut aufbewahrt“, erzählt Margret Eichler (63). Im Brief von 1919 betitelt Bodereau den Großvater als „lieben Freund“. Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs brach der Kontakt ab.

1954 klingelte beim Christeröder Bürgermeister Ochs das Telefon. Am Apparat war ein Franzose, der sich erkundigte, wie die Familie Morgen den Krieg überstanden hat. „Dieser Anruf hat den Kontakt wieder belebt“, erklärt Heinrich Eichler (62). Für seine Frau Margret sind fortan die Besuche aus Frankreich in Erinnerung geblieben. „Ernest hat uns nach und nach die komplette Verwandtschaft vorgestellt“, sagt sie. Im Ort habe der französische Wagen immer Aufsehen erregt. Ernest Bodereau heiratete, bekam mit seiner Frau drei Kinder und bewirtschaftete einen Hof.

Fortbestand durch Töchter

Erinnerungsfoto: Ernest Bodereau (Mitte) im Kreise der Familie Morgen in Christerode.

Margret und Heinrich Eichler reisten 1969 als junges Paar nach Frankreich und lernten die Familie sowie die drei Kinder kennen. Ende der 1970er-Jahre verstarb Bodereau. „Irene und Yvonne, den beiden Töchter, ist sehr viel am Fortbestand der Freundschaft gelegen“, sagen Eichlers. „Mich rührt, dass Bodereau erzählt hat, dass es ihm in Deutschland gut ging. Er war ein selbstverständliches Mitglied der Familie.“ Für Margret Eichler sind die Begegnungen wie ein Geschenk: „Wir sind in Frankreich zu jeder Zeit wie eigene Kinder aufgenommen worden.“

Im August organisierte die Familie Esnault ein großes Familientreffen. Die deutschen Freunde waren selbstverständlich eingeladen. Beide Familien teilen ein große Leidenschaft: die Liebe zum französischen Kultauto, der Ente. Längst wird nicht nur über alte Zeiten parliert, sondern auch darüber, wie die Freundschaft in Zukunft erhalten bleibt.

„Wir hoffen, dass die Kinder beider Seiten diese wertvolle Verbindung weiter pflegen“, sagen Heinrich und Margret Eichler.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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