Barrieren für Bahnfahrer: HNA testet Bahnhöfe der Region

War mit dem Zug im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs: Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig am Bahnhof in Melsungen. Foto: Pflug

Melsungen. Vor fünf Jahren hat die HNA Bahnhöfe im Landkreis getestet. Jetzt wollen wir prüfen, was sich seitdem getan hat.

Besonders im Fokus soll dabei diesmal die Barrierefreiheit stehen. Den Auftakt der Serie bildet ein Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Sabine Leidig.

Einmal quer durch den Schwalm-Eder-Kreis ist Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke und Mitglied des Verkehrsausschusses, mit der Bahn gefahren. Nicht zum Spaß, sondern um sich anzusehen, wie es um die Barrierefreiheit und den öffentlichen Nahverkehr bestellt ist. Dabei war sie nicht alleine unterwegs, sondern hat sich auch mit Betroffenen unterhalten. Leidigs Urteil: An einigen Bahnhöfen ist noch sehr viel Luft nach oben.

Erster Stopp war Treysa, wo nur eines der Gleise barrierefrei zugänglich ist. Und das, obwohl der IC-Bahnhof ein wichtiger Mobilitätsknotenpunkt der Region ist. Wabern kommt ebenfalls schlecht weg. Zwar habe die Gemeinde das Bahnhofsgebäude schön restauriert, das Bahngelände selbst sei aber verkommen. In Borken sei die Situation katastrophal, sagte Leidig. Es bestehe gar keine Barrierefreiheit. Der Weg führe über Gleise, die für viele Menschen unüberwindbar seien. Aber es gibt auch positive Beispiele im Schwalm-Eder-Kreis: Felsberg und Melsungen. Gut angebunden, ansprechend gestaltet und, am wichtigsten, zugänglich für alle.

Schuld an der miserablen Situation seien dabei aber in vielen Fällen nicht die Gemeinden, sondern die Bahn. „Das Drama ist, dass die Bahn es offensichtlich nicht als ihre Aufgabe ansieht, möglichst viele Menschen ans Ziel zu bringen, sondern möglichst viel Geld zu machen und zu sparen“, sagte Leidig. Die Bahn versuche oft Kosten für behindertengerechte Umbauten und bessere Erreichbarkeit auf die Gemeinden abzuwälzen. Denen fehle aber oft das nötige Geld.

Leidig fordert, dass die Bahn als größtes öffentliches Unternehmen an sozialen und klimafreundlichen Zielen sowie den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet wird. Denn Mobilität bedeute Teilhabe: „Niemand sollte auf ein Auto angewiesen sein, um irgendwohin zu kommen“, sagt die Frau, die selbst seit 13 Jahren ohne Auto ist.

„Zehn Milliarden Euro für Stuttgart21 zum Fenster herauszuwerfen, bringt den Einwohnern nichts, damit könnte man so viele kleine Bahnhöfe fit machen“.

Außerdem sollten die Bauaufträge an Bahnhöfen öffentlich ausgeschrieben werden. Insbesondere da die Planungskosten, die die Bahn veranschlagt, viel höher lägen als bei anderen Bauten. Das sei auch in Borken so, sagte sie abschließend.

Sabine Leidig, ehemalige Attac-Geschäftsführerin, ist seit 2009 im Bundestag. Sie kommt aus Hanau. Da es im Bundestag nur drei hessische Linken-Abgeordnete gibt, vertreten diese das gesamte Bundesland aus dem sie kommen. (mia)

Quelle: HNA

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