Bauarbeiten für Wärmeleitungen zum Wolfhager Erlebnisbad haben begonnen

Spezialmaschine im Einsatz: Sergey Raisch bedient aus dem Führerhaus heraus den Bohrkopf, der am Anfang des Gestänges sitzt und sich in die Erde vorarbeitet.

Wolfhagen. Die Arbeiten für den Bau der Wärmeleitungen von der Wolfhager Biogasanlage zum Erlebnisbad haben begonnen. Etwa alle 100 Meter sind die Baugruben zu sehen, durch die die Leitungen vom Blockheizkraftwerk (BHKW) an der Wilhelm-Filchner-Schule bis zum Freibad getrieben werden.

Auf den ersten Blick wirken die Erdlöcher wie jede andere Baustellengrube auch. Doch beim genaueren Betrachten wird deutlich, welch komplexe Technik sich hinter dem verwendeten Spül-/Bohrverfahren verbirgt.

Die Spezialmaschine einer Firma aus Fuldabrück wird bedient von Sergey Raisch. Der 42-Jährige wechselt gerade den Bohrkopf, der mit Diamanten besetzt ist und sich dann in die Erde gräbt. Im Gestänge des Bohrers befindet sich ein Sensor. Er dient dazu, den Verlauf der Bohrungen zu überwachen und gegebenenfalls zu korrigieren. Dafür ist wiederum Meister Alexander Raisch zuständig.

Mit einem speziellen Messgerät wertet er die Daten des Bohr-Sensors aus, notiert die Werte und gibt, wenn nötig, per Funk neue Anweisungen an den Bediener der Maschine weiter. Durch die moderne Technik der Maschine ist es sogar möglich, quasi um die Ecke zu bohren, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer der Biogasanlage, die ihre Abwärme künftig an das Freibad weiterleiten wird. Möglich macht dies ein spezieller Bohrkopf, der sich in alle Richtung justieren lässt.

Felsen aus dem Weg gehen 

Das ist nicht nur für Bohrungen wichtig, die sich häufig am Straßenverlauf und somit auch Kurven orientieren. Damit ist es nämlich auch möglich, dickeren Felsen aus dem Weg zu gehen.

Genaue Kontrolle: im Hintergrund die Spezialmaschine mit Mitarbeiter Sergey Raisch, die im Spül-/Bohrverfahren die Leitungen in die Erde treibt. Vorne überprüft Meister Alexander Raisch den Verlauf der Bohrungen mit einem Messgerät und notiert jeden Fortschritt und gibt Veränderungen der Bohrrichtung per Funk an seinen Kollegen weiter.

Und genau diese Felsen im Untergrund könnten auch zu einer Verzögerung der Arbeiten führen, die Schulte-Ebbert gerne bis zur zweiten Septemberwoche abgeschlossen hätte: „Dies hängt aber auch davon ab, welches Gestein sich noch auf den knapp 1000 Metern bis zum Bad in der Erde befindet.“ Ist der Anschluss der Wärmeleitungen ans Bad geschafft, ist auch das Ziel der beheizten Becken in greifbarer Nähe, sagt Schulte-Ebbert. Dann muss die Wärmetechnik noch mit der Schwimmbadtechnik verbunden werden.

Ist das geschehen, steht den beheizten Becken im Wolfhager Erlebnisbad nichts mehr im Wege. Neben einigen Testwochen in diesem September soll das Bad dann künftig von Mai bis September durchgängig beheizt werden. Möglich gemacht hat dies auch der Schwimmbad-Förderverein um Dr. Axel Vetter.

Er hatte so genannte Paten gewonnen, die mit einer Spende dafür sorgen, dass jährlich etwa die Hälfte der anfallenden 13.000 Euro für die Wärme übernommen werden. Weitere Paten werden gesucht, Kontakt über Dr. Axel Vetter, 05692/2680.

Hintergrund: 

Das verwendete Spül-/Bohrverfahren

Beim in Wolfhagen verwendeten Spülbohrverfahren können Rohrleitungen unterirdisch verlegt werden, ohne dazu einen Graben ausheben zu müssen. Die Bohrungen zwischen den einzelnen Gruben können mehrere hundert Meter lang sein.

Ein flexibler Bohrkopf sitzt vor dem Gestänge, das mit mehreren Elementen auf die gewünschte Länge gebracht wird. Durch das Gestänge wird eine Bentonit-Bohrspülung zum Bohrkopf gepumpt, wo sie austritt und das Bohrklein durch den Ringraum ausspült. Sie dient neben dem Ausräumen durch die schützenden Eigenschaften von Bentonit (ausgetrockneter Ton) der Stabilisierung des Bohrkanals und zum Kühlen des Bohrkopfes.

Ist dieser erste Schritt vollbracht, werden danach die beiden Wärmeleitungen in den vorhandenen Bohrkanal verlegt.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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