Dioxin-Skandal: Schweinemäster klagen über Absatzprobleme und Preisverfall

Bauern sauer auf Panscher

Johannes Gerhold

Wolfhager Land. Zierenbergs Ortslandwirt und Schweinemäster Johannes Gerhold ist stinkesauer: „Weil ein paar hochkriminelle Leute am Werke sind, müssen wir alle drunter leiden.“ Seit vor wenigen Tagen Dioxin in Schweinefleisch eines niedersächsischen Mastbetriebes nachgewiesen wurde, sei der Kilopreis fürs Schweinefleisch regelrecht abgestürzt: von 1,35 Euro auf 1,12 Euro.

Aber nicht nur der Preis macht den Bauern zu schaffen. Auch „das riesige Absatzproblem“, erklärt der Zierenberger Landwirt. Normalerweise, so Gerhold, werden in Deutschland pro Woche etwa eine Million Schweine geschlachtet. Zurzeit seien es nur noch knapp die Hälfte. Die Folge: „Es stauen sich immer mehr Schlachtschweine an, die dringend abgesetzt werden müssen.“

Da sei dann irgendwann auch die Haltung nicht mehr tiergerecht. Dazu komme, dass der Landwirt Abschläge beim Verkauf hinnehmen müsse, wenn die Tiere zu schwer werden. Ab einem bestimmten Gewicht gebe es eine Fettmarmorierung im Fleisch. Das sei zwar ideal für die nordhessische Ahle Wurscht. „Aber die großen Ketten“, sagt Gerhold, „wollen das nicht für ihre Fleischtheken.“

In einen Topf geworfen

„99,9 Prozent der Landwirte können nichts für die aktuelle Situation und müssen leiden“, ärgert sich Gerhold. „Die Futtermittelpanscher und die Landwirte werden in einen Topf geworfen.“ Er selbst füttere nur selbstangebautes Getreide. Zugekauft werde Sojaschrot und Mineralfutter.

Als reiner Mäster erwirbt Gerhold acht Wochen alte Ferkel, die 25 Kilo wiegen, und päppelt sie in seinem Stall, bis sie ein Lebendgewicht von 118 Kilo haben. Dann werden sie verkauft, Hauptabnehmer ist ein Schlachthof in Weimar.

Er habe bislang noch Glück gehabt. 36 schlachtreife Tiere habe er noch im Stall, „die gehen heute noch weg“ - mit zweiwöchiger Verspätung. Das Gros „habe ich - Gott sei Dank - schon vor Weihnachten verkauft.“ Gedränge wie bei anderen Mästern gebe es in seinem Stall deshalb nicht. 240 Tiere seien kürzlich eingestallt worden, heute folgen weitere 200 Ferkel, in zwei Wochen nochmal 250. Er habe also Luft und hoffe, dass sich die Situation zwischenzeitlich wieder normalisiere.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

Kommentare