Deutsch-deutsche Städtepartnerschaft mit Creuzburg wurde nur wenige Jahre gepflegt

Der Baum erinnert noch

Seite in der Schwälmer Allgemeinen: Am 11. September 1990 wurde umfänglich über die Städtepartnerschaft zwischen Schwalmstadt und Creuzburg berichtet. Repro: HNA

Schwalmstadt. „Wir haben jeden Abend vor dem Fernseher gesessen und geheult“, sagt Helmut Wolff, langjähriger Mitarbeiter und späterer Büroleiter der Stadt Schwalmstadt. Es waren Freudentränen, die er zur Zeit der Wende und des Mauerfalls am 9. November 1989 vergoss. Wie bewegend die Wiedervereinigung dann war, daran erinnert sich der 73-Jährige lebhaft, denn Wolff begleitete aktiv die Entstehung der Städtepartnerschaft zwischen Schwalmstadt und Creuzburg im Wartburgkreis in Thüringen. Allerdings wurden bereits ab 1991 die regelmäßigen Besuche der befreundeten Städte weniger. Ab Mitte der 90er Jahre schlief der Kontakt beiderseitig ein.

„Es ging in erster Linie um verwaltungstechnische Aufbauarbeit – aber häufig eben auch um moralische. Da war viel Fingerspitzengefühl gefragt“, erzählt der Treysaer. Vieles, was im Westen längst zum Standard einer Verwaltung gehörte, fehlte: „Die Telefonverbindung hierher war mehr schlecht als recht. Wir haben ein Faxgerät nach Creuzburg gebracht, um besser kommunizieren zu können.“ Mithilfe von Kollege Herbert Schäfer wurden sofort ganz praktische Unterstützung geleistet: „Es gab Wohnraum, aber keine fertigen Straßen, die dort hin führten“, erzählt Wolff.

Burkhard Albers und Henrik Berkel vom Bauamt reisten mit nach Creuzburg und sichteten öffentliche Gebäude. Sie entwarfen einen Sanierungsvorschlag. Was Helmut Wolff damals vorfand, war eine geordnete Verwaltung. „Die Buchführung funktionierte, der Haushaltsplan war noch in Bleistift geschrieben.“ Was ihn sehr bewegt habe, sei aber die Unsicherheit und Angst der Menschen gewesen. „Wir wussten alle nicht, wie es weiter geht.“

Hilfe bei der Buchführung

Mit der DDR ging es bekanntlich nicht weiter: „Eines Tages riefen mich die Creuzburger Kollegen an und weinten. Man hatte das Rechenzentrum abgeschaltet. Es war schlicht nichts mehr zu buchen.“ Die Durchschreibebuchführung war für den Übergang eine gute Lösung. Nach und nach wurde in Creuzburg die selbe Buchführung wie in Schwalmstadt installiert, Haushaltsstellen neu gebildet. Regelmäßig freitags fuhr Helmut Wolff nach Thüringen. Die Mitarbeiter wurden geschult, ein Haushaltsplan erstellt. „Der wurde drei Jahre hier in Treysa gedruckt.“

Am 3. Oktober 1990 trafen sich Creuzburger und Menschen der angrenzenden Gemeinden Ifta und Scherbda sowie Schwalmstädter, um die Freundschaftsvereinbarung zu unterzeichnen. Damals pflanzten die Akteure einen Baum – der bis heute steht. „Ich habe die Nationalhymne kopiert und verteilt. Da fragten mich manche, ob denn nur „unsere“ gesungen wird“, erzählt Wolff. Der Instrumentalkreis Ziegenhain und der Iftaer Volkschor gestalteten die Feier. Der Künstler Lutz Lesch sollte damals eine Tafel fürs Treysaer Rathaus gestalten, die die Freundschaft dokumentiert: „Wir wussten lange nicht, wie der Gedenktag nun heißen soll. Mir war aber eigentlich klar, dass es der Tag der Deutschen Einheit werden musste“, erzählt Wolf.

Alsbald boten die Schwalmstädter an, einen Lehrling für die Stadtverwaltung Creuzburg auszubilden. Janine Peter begann ihre Ausbildung in Treysa. Heute heißt sie nach ihrer Heirat Janine Seifner und arbeitet nach wie vor im Schwalmstädter Rathaus. „Das Janinchen ist uns geblieben“, sagt Helmut Wolff.

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Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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