Richtiger Winterschnitt: Wie der Baum mehr Früchte trägt

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Klappt schon ganz gut: Jochen Eberwein beschneidet den Baum unter Anleitung von Gärtnermeister Helmut Sauerland.

Ippinghausen/Breuna.Gärtnermeister Helmut Sauerland entfernt mit der Säge die dicken und mit der Spezialschere die dünneren Zweige eines alten Apfelbaumes. Der Experte zeigt, wie ein richtiger Winterschnitt gemacht wird.

Er muss viele Fragen beantworten. Zum Beispiel: „Warum ist dieser oder jener Ast stehen gelassen worden?“, oder „Müssen die langen Zweige oben nicht auch noch raus?“ Helmut Sauerland klettert wieder in die Baumkronenspitze hinauf zu den Zweigen, die hoch hinausragen. „Wenn ich jetzt hier oben rumschneide, dann schießt der Baum immer mehr in die Höhe.“

Ziel des Winterschnitts, so der Gärtnermeister, sei es zwar, dem Baum einen Anreiz zum Wachstum zu geben, „aber dort, wo ich es als Baumbesitzer haben will.“ Denn je stärker ein Obstbaum zurück geschnitten wird, umso mehr neue Triebe bildet er.

Wieder unten am Boden greift Helmut Sauerland nach einem Ast auf Augenhöhe. „Hier sollen Früchte geerntet werden. Damit es mehr Knospen gibt, kommen alle Zweige weg, die vom Ast aus gesehen nach unten wachsen.“ Mit einer scharfen Schere „putzt“ er Zweig für Zweig aus, dann schneidet er noch einige Zweige aus dem Inneren des Baumes weg, „damit wieder Licht an das Obst kommt“.

Die Teilnehmer des Workshops „Obstbaumschnitt und Veredelung auf der Streuobstwiese“ der Freien Arbeitsgruppe Umwelt und Natur Ippinghausen in Kooperation mit der Naturlandstiftung Kreisverband Kassel waren natürlich nicht nur zum theoretischen Lernen gekommen, sondern mussten sich selbst als zukünftige Obstbaumschnitt-Experten beweisen. Jochen Eberwein hatte die Anreise aus dem Trendelburger Ortsteil Eberschütz nicht gescheut. „Wir haben in unserer Gemarkung mehrere Streuobstwiesen haben. Die wollen wir aus Kostengründen künftig vom Ortsbeirat und anderen örtlichen Gruppierungen ehrenamtlich beschneiden und pflegen“, erklärt der Ortsvorsteher der Diemeltalgemeinde.

Einer der Kursteilnehmer hob einen von Helmut Sauerland gekappten hellen Zweig auf. „Den hättest du aber stehen lassen müssen, oder?“ Der Gartenexperte nickt. „Beim Obstbaumschnitt darf man nicht ständig Angst haben, etwas falsch zu machen.

Der größte Fehler ist, Bäume gar nicht zu schneiden.“ Kappt man jetzt zu viele Äste, würde der Baum zwar zu stark austreiben. „Dafür aber gibt es zum Glück einen Sommerschnitt, der das Wachstum dann wieder bremst.“ (zih)

Quelle: HNA

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