Sie baut an der Zukunft: Frielendorferin beim Deutsch-Russischen Jugendparlament

Vertritt Standpunkte: In ihrer Rede in der fiktiven Plenarsitzung des Deutsch-Russischen Jugendparlaments setzte sich Anne Weltin dafür ein, dass Geflüchteten nach ihrer Ankunft in Deutschland die Möglichkeit gegeben wird, ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Fotos: privat

Frielendorf. Anne Weltin weiß, wie es ist, sich in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen. Ihr Auslandsemester an der Baikal-Universtität in Irkutsk, das in wenigen Wochen endet, empfindet die Frielendorferin als große Bereicherung. Hinzu kommt ihre Arbeit als ehrenamtliche Lehrerin.

Die 25-Jährige gab in Berlin Flüchtlingen Deutschunterricht. All diese Erfahrungen konnte die Frielendorferin kürzlich beim Deutsch-Russischen Jugendparlament einbringen. Das Gremium tagte kürzlich im Auswärtigen Amt in Berlin.

Das Parlament

Dabei ging es darum, welche Chancen und Herausforderungen Flucht und Migration für Staat und Gesellschaft bieten.

Das Deutsch-Russische Jugendparlament wurde zum zwölften Mal von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch ausgerichtet, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kinder- und Jugendrat Russland und dem deutschen Außenministerium.

Das Plenum

Es gab ein fiktives Parteiensystem mit insgesamt vier Parteien, die zur Wahl standen. Anne Weltin hat als Abgeordnete der Partei für Innovation und Wohlstand in der eigenen Fraktion, dem Ausschuss für Humanitäres und Menschenrechte und im Plenum mitgewirkt. „Generell habe ich die Position vertreten, dass wir die Verantwortung haben, Geflüchtete aufzunehmen und sie so gut wie möglich bei ihrer Integration zu unterstützen“, beschreibt Weltin ihren Standpunkt. Bezüglich einer optimalen Integration setzte sie sich für verbesserte Sprachkurse, zum Beispiel durch Unterstützung zweisprachiger Sprachmittler, und die Zusammenarbeit mit Vereinen ein. Zudem befürwortete sie Arbeitsmigration.

Die Bilanz

Besonders die konstruktiven Diskussionen trotz Meinungsverschiedenheiten innerhalb und außerhalb der eigenen Fraktion beeindruckten die Studentin. „Darüber hinaus nehme ich mit, dass das Verständnis dieser komplexen Thematik stark davon geprägt ist, aus welchem Land man kommt“, ist sie überzeugt. Beispielsweise musste im Laufe der Diskussionen der Begriff einer „Obergrenze“ geklärt werden, da dieser in der russischen Diskussion keine Rolle spielt. „Wichtig sind mir natürlich auch die viele netten Bekanntschaften, die ich gemacht habe und mit denen ich den Kontakt pflegen möchte“, zieht sie weiter Bilanz.

Das deckt sich mit ihren Erfahrungen, die sie gerade in Sibirien sammelt. Das Auslandssemester in Irkutsk sei für sie nicht nur sprachlich, sondern vor allem auch persönlich eine großer Gewinn.

„Ich bin daher eher traurig, dass bereits der letzte von vier Monaten hier angebrochen ist“, schreibt sie uns per E-Mail. Besonders die vielen netten Menschen, die sie dort kennengelernt hat und die wunderschöne Natur rund um Irkutsk und den Baikalsee seien ihr sehr ans Herz gewachsen.

Durch ihre russischen Freunde hat sie das Wandern als neues Hobby für sich entdeckt: „Davon können uns weder Kälte noch Schnee abhalten.“

Zur Person

Anne Weltin ist 25 Jahre alt, stammt aus Frielendorf und studiert an der Universität Potsdam die beiden Fächer Politik und Verwaltung und Russistik. Zuvor hat sie ein Bachelorstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster absolviert. Im Rahmen dessen machte sie ein Praktikum an der Deutschen Botschaft in Moskau. In Russland ist sie gerade zum vierten Mal (Urlaub, Studienaufhalte, Praktikum).

Ihr Abitur machte sie 2010 an der Theodor-Heuss-Schule in Homberg.

Hintergrund: Debatte im Auswärtigen Amt

50 Jugendliche aus Deutschland und Russland durchliefen über vier Tage eine Parlamentssimulation mit Fraktionssitzungen, Expertenanhörungen, Ausschussarbeit und am Ende einer großen Plenarsitzung, auf der die Ergebnisse vorgestellt und intensiv debattiert wurden. Am Ende wird über Gesetzesvorschläge abgestimmt, damit die Diskussionen an einem konkreten Ziel ausgerichtet werden können. Ausrichter der Veranstaltung ist die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendrat der Russischen Föderation. Anlässlich des deutsch-russischen Jahres des Jugendaustauschs, das unter Schirmherrschaft der Außenminister Deutschlands und Russlands steht, fand das Jugendparlament erstmals in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt statt.

Quelle: HNA

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