Alte Brücke aus dem Jahr 1840 wird abgebaut und muss als Denkmal erhalten bleiben

Bauwerk hat Seltenheitswert

Soll abgetragen und möglicherweise an anderer Stelle wieder aufgebaut werden: Die Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1840 bei Ehlen. Die Traglast wurde auf 16 Tonnen reduziert, sagt Bauamtsleiter der Gemeinde Habichtswald, Björn Schröder. Fotos: Thon

Ehlen. Die alte Brücke am Ortsrand von Ehlen hat inzwischen 175 Jahre auf dem Buckel. Jetzt soll sie einem Neubau weichen. Die alte Substanz soll aber erhalten bleiben.

Bei jedem stärkeren Unwetter wird sie zum Problem: Die Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1840 am Ortsausgang von Ehlen in Richtung Zierenberg. Wenn die Warme bei Starkregen anschwillt, loses Material, Laub und Äste mitreißt, wird sie zum Nadelöhr. Nun soll die Brücke abgetragen und durch einen Neubau ersetzt werden. Grund dafür sind allerdings die verminderte Traglast und Schäden am Mauerwerk.

In den vergangenen Jahren sei die historische Sandsteinbrücke mehrfach saniert worden, sagt Horst Sinemus, Sprecher von Hessen Mobil. Die Traglast musste auf 16 Tonnen reduziert, nur noch eine Spur führt über das Bauwerk, Begegnungsverkehr ist dort nicht mehr möglich. Wann das Projekt umgesetzt werde, sei noch nicht entschieden. Allerdings zähle die Landestraße zwischen Ehlen und Zierenberg zu den Vorhaben der Sanierungsoffensive, die Verkehrsminister Tarek Al-Wazir für den Zeitraum 2016 bis 2022 angekündigt hat, sagt Sinemus.

Der Neubau werde exakt an derselben Stelle errichtet, sagt der Bauamtsleiter der Gemeinde Habichtswald, Björn Schröder. Eine Fahrbahnverschwenkung weiter flussabwärts lasse sich nicht umsetzen, weil eine Kurve in unmittelbarer Nähe noch gefährlicher und die Einfahrt zu einem Wohnhaus gestrichen werden müsste. Auch ein Ersatzbau weiter flussaufwärts falle flach, weil der Bachlauf der Warme von Ehlen bis Liebenau FFH-Gebiet und damit besonders geschützt ist.

Derzeit beschäftigen sich die Habichtswalder Kommunalpolitiker mit der Frage, was aus der alten Brücke werden soll. Denn offenbar ist der einst für Nordhessen typische Baustil selten geworden. Laut Bürgermeister Thomas Raue (SPD) sollen nur noch ganz wenige Exemplare von Brücken dieser Art existieren. Das Landesamt für Denkmalschutz fordert den Erhalt der Substanz. Mehrere Alternativen sind denkbar: So könnte die Brücke Stein für Stein abgetragen und als Brücke an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Auch könne das Bauwerk in seinen Einzelteilen zwischen gelagert und zu einem späteren Zeitpunkt einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Schließlich könnten die Sandsteinquader und -platten ins Baustofflager nach Wülmersen bei Trendelburg gebracht werden, sagt Raue.

Fest steht: Der Abbau der Brücke, das Katalogisieren der Steine und der Wiederaufbau sind kostspielig.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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