B. Braun-Erfindung für Innovationspreis nominiert

Die Wunderspritze: Mit einem Kolben im Inneren kann der Blutdruck gemessen werden.

Melsungen. Die Kolbenspritze kostet nur wenige Euro-Münzen. Aber ihre Verwendung kann dem Patienten eine gefährliche Notoperation ersparen - und der Krankenkasse mehrere tausend Euro. Aber die Wirtschaftlichkeit ist nur ein Nebeneffekt eines neuen Produkts der B. Braun Melsungen AG.

Der Certofix PresSure Check macht das Anlegen eines Katheters in die Vene am Herzen viel sicherer. Denn mit der kleinen Spritze im typischen türkisfarbenen B. Braun-Design hat der Anästhesist oder Intensivmediziner, der für die Versorgung des Patienten während einer großen Operation einen zentralvenösen Katheter legt, Klarheit, ob er wie gewünscht eine Vene oder aber eine Arterie getroffen hat. Letzteres könnte eine Notoperation erfordern und hängt ohne die medizinische Neuheit von der Erfahrung des Arztes ab. „Denn die Arterie pulst ganz anders als die Vene“, weiß Heinz Wiegel aus der Entwicklungsabteilung von B. Braun. Und venöses Blut ist dunkler, arterielles viel heller, denn das kommt gerade frisch aus dem Herzen.

Die Wunderspritze: Mit einem Kolben im Inneren kann der Blutdruck gemessen werden.

Doch all diese Anzeichen sind nicht so sicher wie die neue Kolbenspritze aus dem Hause B. Braun. Denn das kleine Plastikgerät hat im Inneren einen Kolben, mit dem der Mediziner den Blutdruck des punktierten Gefäßes messen kann. Ist alles im grünen Bereich, dann kann der Zentralvenöse-Herzkatheter angeschlossen werden. Über ihn wird der Patient während einer großen Operation nicht nur überwacht, sondern auch mit verschiedenen Medikamenten versorgt. Bis zu fünf verschiedene Zugänge macht ein zentralvenöser Herzkatheter möglich. Auch eine künstliche Ernährung kann so verabreicht werden oder eine Chemotherapie für Krebspatienten. Ausgedacht hat sich das kleine Gerät, mit dem B. Braun Mitte Februar den Innovationspreis des Wirtschaftsclubs Rhein-Main gewinnen will, bereits in den 90-er Jahren ein Arzt aus Maastricht. Dr. Dietmar Enk ist der Erfinder, B. Braun hat das Gerät bis zur Produktionsreife gebracht. In Bad Arolsen und in der Schweiz entstehen die Einzelteile. Bei Maplastic in Spangenberg werden Kolbenstange und integrierte Druckanzeige hergestellt und aus allen Komponenten die Spritze endmontiert.

Vorgestellt wurde sie dem Fachpublikum erstmals beim Deutschen Anästhesisten-Kongress in Nürnberg. Die 5000 Exemplare des Certofix PresSure Check, die bei B. Braun im Lager lagen, waren danach „ruckzuck verkauft“, erinnert sich Wiegel. Inzwischen ist die Produktion auf 10 000 Spritzen hochgefahren worden. Zum Vergleich: 1,5 Millionen Venenkatheter verkauft B. Braun pro Jahr. Doch Marketing-Mitarbeiter Andreas Elsing ist sich sicher, dass die Nachfrage mit dem Bekanntsheitsgrad des kleinen Geräts steigen wird. Vielleicht auch, wenn am Samstag, 19. Februar, im Congress Centrum in Frankfurt bei der 30. Verleihung der Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft an das Produkt aus dem Hause B. Braun vergeben wird. Immerhin hat die kleine Spritze sich schon gegen über 300 Mitbewerber durchgesetzt und ist mit vier weiteren Podukten in der Kategorie der großen Unternehmen nominiert. Natürlich will sich B. Braun mit dem Certofix PresSure Check jetzt auch den entscheidenden Stich holen.

Quelle: HNA

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