Beatles hören auf dem Schulhof

Felsberger schrieb Buch über Jugend und Nachkriegszeit

Beim Essen konnte man in der Nachkriegszeit nicht wählerisch sein: Auch das thematisiert Jürgen Eichel in seinem Buch. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Jürgen Eichel hat ein Buch über seine Kindheit in der Nachkriegszeit geschrieben.

Eine neue Hose? Davon konnte Jürgen Eichel als Junge nur träumen. „Wir wurden die Auftrage-Kinder genannt, weil wir immer die gebrauchte Kleidung von anderen anziehen mussten“, sagt der 69-jährige Felsberger. „Da wurde nichts weggeworfen. Wenn die Hose zu kurz war, wurde eben etwas drangeflickt.“ Nein, es war nicht immer einfach, in der Nachkriegszeit aufzuwachsen. Trotzdem ist Jürgen Eichel überzeugt: „Wir hatten eine unbeschwerte Kindheit.“

Die Kinder von heute hingegen täten ihm fast leid, sagt der 69-jährige Felsberger: „Weil ihre ganze Freizeit so verplant ist. Die Kinder sind heute von Technik umgeben, ein Leben in der Natur sind viele gar nicht mehr gewöhnt.“ In seiner Kindheit war er viel draußen: „Das ganze Dorf war ein großer Spielplatz.“

Computer, Handy, MP3-Player - was für Kinder und Jugendliche heute selbstverständlich ist, gab es damals nicht. „Wenn ich für die Schule ein Referat vorbereiten musste, bin ich zur Murhardschen Bibliothek nach Kassel gefahren“, erzählt Eichel. Googlen ging damals schließlich noch nicht. Musik hörte nicht jeder für sich über Kopfhörer - stattdessen drängten sich in der Schulpause alle Jugendlichen um einen tragbaren Plattenspieler, als Eichel vom England-Schüleraustausch 1963 die erste LP der Beatles mitgebracht hatte.

Seine Erfahrungen hat Eichel in dem Buch „Geboren 45 - Hol dir das Gefühl zurück“ zusammengefasst, das im Wartberg-Verlag erschienen ist. Mit dem Verlag hatte Eichel bereits vor fünf Jahren zusammengearbeitet: Der Felsberger hatte angefragt, ob der Verlag Verwendung für historische Fotos hätte, die sein Vater einst aufgenommen hatte. Letztlich schrieb Eichel dann ein ganzes Buch über die Kindheit in den 1950er-Jahren.

2014 meldete sich dann wiederum der Verlag bei Jürgen Eichel und schlug ihm vor, sich an einer neuen Buchreihe zu beteiligen. Eichel sollte diesmal ein Buch über den Geburtsjahrgang 1945 schreiben.

Gemüsebeet statt Ziergarten

Dabei hat er nicht nur seine eigenen Kindheitserlebnisse verarbeitet: „Ich habe auch meine Frau und Nachbarn zu ihren Erinnerungen befragt“, erzählt er. „Die besten Ideen für das Buch kamen mir nachts - deshalb lagen immer Block und Stift auf meinem Nachttisch.“ Im Buch thematisiert Eichel zum Beispiel die Lebensmittelknappheit während der Nachkriegszeit. „Ziergärten mit Blumenbeeten gab es damals nicht. Jeder Quadratmeter Boden wurde zum Gemüseanbau genutzt“, erinnert sich Eichel.

Das Buch „Geboren 45 - Hol dir das Gefühl zurück“ von Jürgen Eichel kostet 14,90 Euro und ist überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Zum Buch gehört eine eigene Internetseite, auf der man sich unter anderem die Musik aus dieser Zeit anhören und Videos ansehen kann.

http://1945.unserjahrgang.de

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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