Erste Hilfe: Kurse für den tierischen Notfall für Herrchen und Frauchen

Beatmung Mund zu Hund

Wenn Hund Tapsy nicht mehr tapsen kann: Tierärztin Dr. Beate Christ-Mackedanz, Tapsys Herrchen Ralf Klein und Susanne Häberle beim Anlegen eines Pfotenverbandes. Foto: Mangold

Allendorf. Was kann ein Halter tun, wenn sein Hund von einem Auto angefahren wird, in eine Wespe beißt oder Schokolade gefressen hat? Um die Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen drehte sich der Kurs für erste Hilfe beim Hund in der Tierarztpraxis Mackedanz in Allendorf.

„Ein bewusstloser Hund liegt nach einer Kollision mit einem Auto auf der Straße“, beschrieb Tierarzt Dr. Roland Mackedanz eine typische Notfallsituation, in die jeder Hundehalter geraten kann. Das Wichtigste sei nun das Notfall-ABC (Air, Breathing, Circulation), das mit der Überprüfung der Luftwege beginnt.

Dazu sollte der Fang des Hundes untersucht und von möglichen Fremdkörpern befreit werden. Halter sollten sich ihrem Tier dabei vorsichtig nähern, denn ein Hund könne auch in der Bewusstlosigkeit fest zubeißen. Zudem sei ein Tier mit Schmerzen und im Schock unberechenbar.

Taschentuch als Schutz

Atmet der Hund nicht mehr, erläutert Mackedanz, könne er durch die Nase bei gleichzeitigem Zuhalten der Lefzen vom Mensch beatmet werden. Wem der dichte Kontakt zum Hund bei der Mund-zu-Schnauze-Beatmung unangenehm sei, der könne auch ein Taschentuch dazwischen legen. Die Infektionsgefahr von Hund zu Mensch bei der Beatmung sei aber gering einzuschätzen.

Wichtig sei, darauf zu achten, dass der Hund nicht aufgepumpt und die Lunge überdehnt werde, zehn bis 15 Atemstöße pro Minute reichten aus. Der Kreislauf wird überprüft mit einer Kontrolle der Schleimhäute an der Lidbindehaut oder dem Zahnfleisch: Eine bläuliche Verfärbung weist auf einen Sauerstoffmangel hin, eine starke Blässe auf einen Schock.

Bei einem Herzstillstand kann, genau wie beim Mensch, eine Herzmassage lebensrettend sein. Dazu wird der Hund auf die rechte Seite gelegt und mit der linken Hand der Brustkorb hinter dem Ellenbogen rhythmisch gedrückt. Nach zehn bis 15 Stößen folgt eine Pause von gleicher Dauer.

Nach dem Vortrag übten die Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses am Hinterbein des Hundes den Puls zu fühlen, eine erste Wundversorgung und einen Pfotenverband anzulegen, sowie dem Hund die Schnauze zuzubinden.

„Bei der Notfallversorgung kann es passieren, dass Ihr Hund nicht mehr so zugänglich ist“, sagt Tierärztin Dr. Beate Christ-Mackedanz. Dann könne der Halter aus einer Mullbinde oder einem Schnürsenkel eine Schlinge binden und sie dem Hund über den Nasenrücken ziehen und hinter dem Kopf verknoten, um sich und andere vor Bissen zu schützen.

Sicherer bei Notfällen

Die Kursteilnehmer, eine Gruppe der Hundeschule Susannes Hundetreff aus Schwalmstadt, fühlten sich nach dem Kurs sicherer für den Notfall: „Wir waren schon öfter mal in der Situation, dass ein Hund in eine Scherbe getreten ist“, erzählte Silvia Klinar aus Ascherode, die drei Golden Retriever hat. Da könne sie sich jetzt schon mal helfen.

Auch Bettina Klein kennt Notfallsituationen aus Erfahrung mit ihren beiden Hunden. Tipps aus dem Kurs hätten ihr schon geholfen, erzählte sie.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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