Projekt Dessert Daughter

Ein Dorf, das nicht anerkannt wird: Beduinin erzählt über ihr Leben

Besuch aus Israel: Margret Ellwanger (Hilfsorganisation „For Peace“) , Maria Reitz, Christine Berthold (Präsidentin Soroptimistinnen Fritzlar-Homberg), Maria Trosse und die Beduinin Mariam Abu Rkeek präsentieren selbst gewebte Kissenbezüge und Kosmetik aus Kamelmilch. Foto: Dellit

Fritzlar. Wenn Mariam Abu Rkeek ihr Haus auch nur um einen Meter erweitert, könnte es passieren, dass es abgerissen wird. Die Beduinin wohnt in Israel in einem Dorf, das von der Regierung nicht anerkannt wird.

Jetzt war sie zu Gast gemeinsam mit Margret Ellwanger beim Verein Soroptimist Fritzlar-Homberg und berichtete von ihrem Leben und der Arbeit in Hilfsprojekten. Sie hat es geschafft, ein eigenes Gewerbe unter dem Namen „Desert Daughter“ („Wüstentochter“) aufzubauen, in dem mittlerweile fünf weitere Frauen arbeiten. Sie produzieren Seife aus Kamelmilch, Kräutercremes nach alten Rezepten der Großmutter (die als Heilerin galt) und weitere Kosmetika.

Die aus München stammende Margret Ellwanger hat mit ihrer Hilfsorganisation „For Peace“ der Wüstentochter und dem Projekt Sidreh auf die Beine geholfen. Dabei waschen, weben und färben Beduinen-Frauen Wolle und verkaufen sie.

In der sehr traditionellen Kultur der Beduinen ist das, wie Abu Rkeek sagt, „eine kleine Revolution“. Besonders am Anfang seien viele Männer dagegen gewesen, doch langsam ändere sich die Einstellung. Auch heute hätten aber viele Frauen Angst vor der Selbständigkeit, und auch die Männer seien oft dagegen. Bei „Desert Daughter“ habe es einige Jahre gedauert, bis sie wirklich Geld verdiente.

Beduinenfrau beim Weben: Im Hilfsprojekt Sidreh entstehen im Negev Teppiche und Kissenbezüge. Foto: privat

In Fritzlar erzählten die Gäste aus Israel auch von der schwierigen Lage der Beduinen in Israel, die Araber mit isrealischer Staatsbürgerschaft sind. Mariam Abu Rkeek ist noch in einem Zelt aufgewachsen, doch diese Zeiten sind vorbei. Und mit Romantik habe ein Leben im Zelt auch nichts zu tun, sagt die Beduinin. Sie erzählt, wie ihr Volk gedrängt worden sei, in Siedlungen umzuziehen. Dort fehle es aber oft an der Infrastruktur.

Das Ergebnis sind die nicht anerkannten Dörfer, in die nicht mal ein Krankenwagen fährt, weil es keine geteerten Straßen gibt. So müssten die Beduinen im Notfall bis zu nächsten festen Straße laufen, wo der Krankenwagen wartet. Auch der Weg zum Schulbus ist weit.

Die Beduinen fühlten sich als Bürger zweiter Klasse, sagt Abu Rkeek. In den städtischen Siedlungen, in denen viele untergebracht wurden, sei die Kriminalität hoch, ergänzt Ellwanger. Sie nennt Drogen- und Menschenhandel sowie sexuelle Gewalt als Probleme.

Auch da setzt die Organisation Sidreh an. Sie unterrichtet die Frauen in Arabisch, Hebräisch, Mathematik. Oft sind sie die ersten in ihren Familien, die lesen und schreiben können.

Die Soroptimistinnen möchten dabei helfen, gerne auch durch den Verkauf von Produkten. Margret Ellwanger sagt: „Es ist ein harter Kampf, aber ein guter Kampf.“

Von Olaf Dellit

www.lakiya.org und www.forpeace.us

Quelle: HNA

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