Beeindruckende Maschinen bei den Modellflugtagen am Graner Berg

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Schnittig: Matthias Blaß mag es modern und schickt eine Blackbird SR-71 in den Wolfhager Modellflug-Himmel. Die Geräuschkulisse erinnerte fast eine echte Maschine. Fotos: Hoffmann

Wolfhagen. Top Gun am Himmel über dem Graner Berg. Eine Blackbird SR-71 donnert mit einer derartigen Wucht und ordentlich Getöse über den Wolfhager Flugplatz, dass sich niemand mehr wundert, warum die große Rasenfläche mit zig Bauzäunen gesichert ist. Die Miniaturausgabe der US-Air-Force-Maschine saust von links nach rechts, dreht unzählige Runden, um wenig später sicher am Boden zu landen.

In die Quere kommen will man ihr nicht, zu kraftvoll scheint das kleine Fluggerät. Doch ihr „Pilot“ Matthias Blaß gibt Entwarnung: „Das wirkt nur so, so viel ist es nicht.“ Der 37-Jährige, der am Wochenende wie an die 70 weitere Modellflugfanatiker zum fünften Modellflugtag der Luftsportvereinigung nach Wolfhagen gekommen ist, mag es bescheiden. „Es sind kleine Schaufelräder, die in den Triebwerksgondeln laufen und für diese Wirkung sorgen, das Gewicht-/Schubverhältnis ist fast eins zu eins.“ Einen schönen Flug hinzukriegen, das sei es, was seine Leidenschaft ausmache, die ausgeklügelte Technik und den Bau überlasse er hingegen lieber seinem Vater Walter.

Liebe an den Sohn vererbt

Der ist auf dem Graner Berg auch mit dabei, hat die Liebe für die kleinen Himmelsflitzer an den Sohnemann weitergegeben. Das nicht alltägliche Hobby hat der aus dem Nürnberger Land stammende Rentner vor 48 Jahren für sich entdeckt. Da war er 22 und hätte wohl nicht im Traum damit gerechnet, dass seine Hingabe einmal derartige Ausmaße annehmen würde. Längst nämlich zeigt er, dass Modellflugzeuge nicht unbedingt die kleinen, süßen Flieger sein müssen, die leise und sanft durch die Luft gleiten.

Er steuert das größte Modell zum Treffen bei, eine Fokker DR I - der berühmte Dreidecker von Manfred von Richthofen, der im 1. Weltkrieg als der „Rote Baron“ in die Geschichtsbücher einging. Einfach in den Kofferraum laden kann er die nicht, denn er hat sie in unglaublichen 2000 Arbeitsstunden über einen Zeitraum von zwei Jahren im Maßstab 1:1,6 geplant und im heimischen Hobbyraum in liebevoller Kleinarbeit zusammengebaut – inklusive selbst entworfenem Getriebe. „Die Technik hat mich schon immer interessiert“, sagt der Tüftler.

75 Kilogramm schwer, verfügt der beeindruckende Flieger über einen 240 Kubik Boxermotor – natürlich eine Sonderanfertigung, wie alles an dem Schmuckstück. „Im Modellfachhandel ist in den Größen nichts mehr zu bekommen“, sagt Blaß, der allein an Materialkosten über 10.000 Euro investiert hat.

Etwas mehr will er dann aber schon für die Fokker DR I haben, wenn er sie nach Ende der Flugsaison verkauft. Dann nämlich will er in den Modellflugruhestand verabschieden, sich voll und ganz auf das Konstruieren und Bauen der Mini-Flieger konzentrieren: „Dann mache ich den Schmiermaxen für die nachfolgenden Generationen.“

Quelle: HNA

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