Beeindruckendes Brahms-Requiem in Wolfhager Stadtkirche

+
Starker Auftritt: Unter dem intensiven Dirigat von Bernd Geiersbach (vorne rechts) legten die Musiker einen beeindruckenden Auftritt in der Stadtkirche Wolfhagen hin.

Wolfhagen. Wie hat im Jahr 1868 ein großes Orchester geklungen und vor allem wie laut war es mit den damals gebräuchlichen Instrumenten? Für Kirchenmusikdirektor Bernd Geiersbach hatten diese Fragen mehr als theoretische und musikhistorische Bedeutung.

Er hatte für die Aufführung von Johannes Brahms deutschem Requiem mit den Chören der Wolfhager Kreiskantorei und der Kantorei Marburger Land für ein ausgewogenes Klangbild zu sorgen. Umso wichtiger, da die romantische Partitur Chor und Orchester musikalisch zu einer großen Einheit zusammenfließen lässt.

Bernd Geiersbach griff dazu auf eine Bearbeitung des Berliner Kirchenmusikers Ingo Schulz aus dem Jahr 2010 zurück. Die Fassung verkleinert das vor allem in den Blechbläsern massiv besetzte Originalorchester erheblich.

Sie reduziert so zwar die symphonische Dimension des Klanges, tastet jedoch die Breite der Färbungen nicht an: So behalten Pauke, Horn, Orgel und Harfe ihren für Brahms Requiem charakteristischen Einfluss.

Für die Aufführung in der sehr gut gefüllten und fast ausverkauften Wolfhager Stadtkirche erwies sich die Wahl dieser Fassung als eine gute Entscheidung. Der Chor, ohnehin schon das gesamte Werk über tragend, wurde seiner durch das kleinere Orchester nochmals gestärkten Rolle sehr gut gerecht, beeindruckte etwa mit dem kraftvollen „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ im zweiten Teil.

Musiker und Sänger reagierten schnell und exakt auf das fein abgestufte dynamische Dirigat Geiersbachs und fanden von Anfang an zu einer harmonischen musikalischen Einheit - besonders für das Orchester, das extra für die beiden Aufführungen in Lippoldsberg am Samstag und gestern in Wolfhagen aus Kasseler Musikern zusammen gestellt wurde, keine Selbstverständlichkeit.

Von den Solisten überzeugte vor allem Traudl Schmaderer (Sopran), die sich klanglich und gestalterisch mit angenehm fließendem Gesang bestens in das Konzert einhörte. Thomas Wiegand (Bass) agierte dagegen für die dargebotene Auffassung des Werkes etwas zu hart und wuchtig.

Am Ende kein Applaus sondern Stille und Glockengeläut. Das Publikum folgte der Bitte der Veranstalter, nach der Musik Raum für Gebet und Gedenken zu lassen. Ein legitimer Wunsch, zumal in einem Kirchenraum.

Ob sich jedoch die Wirkung des Brahms-Requiems, das sich mit seiner Musik und Textwahl vor allem dem Trost und der Zuversicht der Lebenden zuwendet, angemessener in der Stille oder im gemeinsamen Applaus verarbeiten lässt, mag jeder Konzertbesucher und auch jeder Musiker für sich entscheiden. (lö/nh/uli)

Quelle: HNA

Kommentare