Zurück aus Nairobi: Afrika-Studentin Hanna-Lena Reich ist wieder im Lande

Begegnung mit dem Elend

Mitten im grünen Garten in Nausis: Hanna- Lena Reich ist wieder zurück aus Nairobi und zeigt einen Teil der Masken aus ihrer afrikanischen Sammlung. Foto: Thiery

Nausis. Nun ist sie wieder zu Hause, sitzt am Waldrand zwischen Weinreben im heimischen Garten in Nausis. Um sie herum herrscht die ländliche Ruhe.

Das war im vergangenen Monat noch anders. Hanna-Lena Reich (24) lebte ein halbes Jahr im lauten Nairobi, wo sie innerhalb ihres Afrika-Studiums für die Vereinten Nationen arbeitete. Von dort berichtete sie für die HNA über ihre aufregenden Erlebnisse in der Millionenstadt sowie ihre Urlaube in Tansania und an der Küste Kenias.

Im Moment sei sie froh in Deutschland zu sein. Sie genieße die Natur im deutschen Frühling. Aber die Erlebnisse in Nairobi wirken noch nach und Hanna-Lena überlegt, ob eine Arbeit bei den Vereinten Nationen (UN) eine berufliche Perspektive ist. „Die Arbeit war interessant, aber so ganz anders als ich es erwartet habe“, sagte sie.

Einsatz für die Frauen

Die Nausiserin wirkte an dem Projekt „Safer Cities“ mit und beschäftigte sich mit der Sicherheit von Frauen in Städten. Das Leben in Nairobi mit einer der höchsten Kriminalitätsraten der Welt ist gefährlich: Vergewaltigung, Prostitution, Gewalt seien an der Tagesordnung. „Die Schicksale sind oft unglaublich hart und viele Menschen haben keine Perspektive“, erzählt Hanna-Lena. 60 Prozent der Menschen in Nairobi lebten in Slums teils ohne Strom, Wasser und Toiletten. Lebensgeschichten hörte sie viele, auch im berühmten Slum Kibera, in dem 200 000 Menschen leben. Das Elend war für die junge Frau schwer zu ertragen. „Ich hatte gedacht, ich sei abgehärtet.“

Sie selbst wohnte in einem der reichen Viertel der Stadt. Die großen Gegensätze waren für sie erschreckend. „Ich war in Afrika und doch nicht richtig da“, meint sie. „Wir sollten die Welt verbessern und gingen abends essen, das passt nicht zusammen.“

Ins Schwärmen kommt die Studentin als sie von ihrem Besuch in Dar es Salaam in Tansania erzählt. Dort arbeitete sie vor zwei Jahren bei einem Wasserprojekt und besuchte die Menschen nun wieder. „Mein Herz hängt sehr an diesem Ort.“ Die Menschen seien ebenfalls arm, aber das Leben sei nicht so schlimm wie das der Slumbewohner.

Immer wieder Afrika

Immer wieder zieht es Hanna-Lena nach Afrika. Schon als sie zum ersten Mal als Schülerin dort war, war sie Feuer und Flamme. Den Menschen auf diesem Kontinent bei ihrer Entwicklung zu helfen, sieht sie als ihre Aufgabe. Ein Schwerpunkt sei Frauenarbeit. Die Unterdrückung der Frau sei extrem. Die Studentin spürt wie viel Glück sie hat, sich so ganz nach ihren Vorstellungen entwickeln zu können. „Ich brauche Abenteuer und Abwechslung. Mir ist schnell langweilig.“

In Afrika gebe es keine Langeweile. Zu bunt sei das Leben dort, zu kontrastreich und spannend die Eindrücke.

Nun fährt sie wieder nach Bayreuth zum Studium. Aber irgendwann geht es wohl wieder in Richtung Afrika. 

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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