Lisa Finster wollte Border Collie Sami retten

Hundebesitzerin erzählt: So war mein Sprung in die Güllegrube

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Sie überlebten mit Mühe und Not: Lisa Finster aus Melsungen (links) und ihr Hund Sami wären am Montag beinahe in einer Güllegrube ertrunken. Elisabeth Kay rettete ihr das Leben, indem sie per Handy Hilfe holte.

Melsungen. Um ein Haar wäre dieser Spaziergang tödlich ausgegangen. Denn hätte Elisabeth Kay kein Handy dabei gehabt, wären ihre Freundin Lisa Finster und deren Border Collie am Montag in einer Güllegrube bei Obermelsungen ertrunken.

Die Feuerwehr hat die beiden gerettet: Und zwar in letzter Sekunde, sind sich die Freundinnen sicher.

Die beiden Frauen waren mit ihren Hunden spazieren. Sami lief wie so oft ein Stück voraus – und war plötzlich verschwunden. Lisa Finster ging ihren Hund suchen: „Ich hatte ein ganz dummes Gefühl.“

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Als die 22-Jährige das Tier fand,wollte sie ihren Augen nicht trauen. Der Hund paddelte in einer Güllegrube und suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Aber es gab keinen: die Begrenzung der Grube, die eher einen Teich als ein kleines Loch darstellt, ist hoch, noch dazu mit Folien ausgelegt – der Hund war in der breiigen Güllemasse gefangen.

Als Lisa Finster die Situation erfasste, tat sie zwei Dinge gleichzeitig: Sie schrie nach ihrer Freundin und schwang sich über die Begrenzung, ließ sich an einer Art Strickleiter in die stinkende Brühe hineingleiten. Als die Strickleiter, die nicht ganz bis nach unten reichte, entzwei riss, fehlte Lisa Finster der Halt – sie tauchte ein in die Gülle, die über ihrem Kopf zusammenschlug. Dann schwamm sie zwischen Stroh und Fäkalien auf Sami zu. „Ich habe keine Sekunde nachgedacht“, sagt die 22-Jährige. „Ich wollte nur meinen Hund retten.“

Der war schon fast am Ende seiner Kräfte angekommen, immerhin hielt er seit einer Viertelstunde mit viel Mühe den Kopf über der Oberfläche.

Elisabeth Kay konnte von außen nicht helfen: Die 23-Jährige alarmierte per Handy Polizei und Feuerwehr. Der schlimmste Moment des Unfalls sei für sie der gewesen, als sie den Rettern entgegen lief, um ihnen den Weg zu weisen – und die entkräftete Lisa alleine zurück lassen musste. „Ich hatte Angst, dass sie ertrinkt“, sagt Elisabeth Kay.

Die Retter wollten die 22-Jährige, die sich am Beckenrand an einem dicken Schlauch festhielt, erst einmal allein retten – ohne Hund. Das aber kam für Lisa Finster nicht in Frage. Erst als die Feuerwehr mit Leiter und Schleifkorbtrage anrückte, gelangten Frau und Hund in Sicherheit.

Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, stellte Lisa Finster als allererstes erstaunt das fest, was alle anderen längst wussten: „Ich stinke.“ Die Feuerwehr spritzte sie und Sami noch an Ort und Stelle ab – und leistete damit geruchstechnische erste Hilfe.

Sami war in der Zwischenzeit beim Tierarzt und auch lange in der Badewanne. Es wird aber noch dauern, bis er das Erlebte verarbeitet hat: Zumindest gestern machte der dreijährige Border Collie einen noch recht unglücklichen Eindruck. Vielleicht aber lag es schlicht am rustikal Geruch, den er verströmte. Ein Güllebad ist eben nichts, was man ganz schnell vergessen kann.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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