Werke werden auch ausgestellt

Handicap spielt keine Rolle - Behinderte Künstler malten im Wernswiger Pfarrhaus -

Künstler trotz Handicaps: Ingo Karschen malt an seinen Farblandschaften im Seminarhaus des Wernswiger Pfarrhauses. Foto: Thiery

Wernswig. Ingo Karschen setzt den Aquarellstift an und zeichnet in akribischer Kleinstarbeit Blasen, die sich aneinander schmiegen, mal kleiner, mal größer, aufs Papier. Er verwischt die Farbe mit dem Pinsel und ist voller Konzentration. Ein Maler eben, aber ein besonderer. Ingo Karschen ist wie die anderen in der Gruppe, die sich im alten Pfarrhaus in Wernswig versammelt haben, behindert.

Welcher Art sein Handicap ist, will hier keiner wissen. „Interessant ist nur, welchen Fortschritt er als Künstler macht“, sagte Klaus-Peter Kirchner. Er ist der Leiter der außergewöhnlichen Gruppe, die sich im malerischen Seminargebäude für eine Woche niedergelassen hat, um gemeinsam zu studieren.

Unter dem Sammelbegriff Aktion-Kunst-Stiftung hat Kirchner, der in Soest lebt, es sich zur Berufung gemacht, behinderte Künstler zu entwickeln. Das ehrenamtlich geführte Projekt wurde in seinem Landkreis 2007 als bestes Projekt ausgezeichnet. Dort gibt es eigens dafür ein offenes Atelier, in dem die Künstler arbeiten und ausstellen. Die Idee kam ihm, als er selbst Kunst studierte. „Ich habe entdeckt, dass diese Menschen oft sehr eigen und noch unkonventioneller malen und wollte dies fördern“, sagt er. Es gebe viele Talente unter Menschen mit Handicap. Ihre Kunst sichtbar zu machen, sei seine Aufgabe.

Zusammen mit seiner Frau Mechthild baute er das Vorhaben aus und gründete einige Jahre später, 2011, die Stiftung. Das Unternehmen arbeitet nur mit Spendengeld und ist nicht wirtschaftlich ausgerichtet. Allein die Kunst zählt.

Das Pfarrhaus in Wernswig habe er sich für das Seminar ausgesucht, weil es so idyllisch sei und die Nähe zu Kassel biete. Dorthin fuhr die Gruppe, um sich die Exponate in der Neuen Galerie zu betrachten.

Im Pfarrhaus schauten sie sich Dokumentarfilme über Künstler wie Frida Kahlo an. „Wir besprechen die Werke und kritisieren auch die eigenen Produkte, so entwickeln sich die Teilnehmer.“ Das Handicap spiele keine Rolle, allein ob jemand an sich arbeite sei wichtig. Dieses Projekt sei auch keine Therapie.

Genau wie jeder Künstler, will auch Ingo Karschen seine Wahrnehmungen und Gefühle ausdrücken und arbeitet daran. Das Projekt biete ihm als Behindertem die Chance, sich weiterzuentwickeln, was sonst nie geschehen würde, sagt Kirchner. Diese Bilder würde nie jemand sehen, wenn sie nicht in den Ausstellungen gezeigt würden. Ingo Karschen arbeitete in einer Behinderten-Werkstatt, als er entdeckt wurde, was er jetzt als großes Glück empfindet. Jeder der Teilnehmer ist in die Arbeit vertieft, einige beschäftigen sich mit Skizzen, andere malen abstrakt - jeder entwickelt sich auf seine Weise.

Infos: www.aktion-kunst-stiftung.de

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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