Telekom kündigte im Juni Tarifänderung an – Noch immer wird voll abgebucht

Behinderter zahlt weiter

HNA-Berichterstattung im Juni: Betreuerin Anna Naumann (Foto) klagte uns das Leid ihres Schützlings, die Telekom versprach Abhilfe. HNA-Grafik

Schwalmstadt. Die Telekom bucht seit Monaten die Kosten für einen ihrer teuersten DSL-Tarife vom Konto eines geistig Behinderten aus Treysa ab, obwohl dieser sich das „Entertain Comfort 4“-Paket kaum leisten kann.

Deshalb hatte sich Anna Neumann, seit Februar 2011 seine gesetzliche Betreuerin, mit mehreren Briefen und Anrufen bei der Telekom dafür eingesetzt, den Tarif zu ändern. Ohne Erfolg, der Vertrag sei laut Telekom rechtens.

„Der Betroffene versteht aber nicht, dass der Tarif zu teuer für ihn ist, durch sein Krankheitsbild kann er ihn auch gar nicht voll ausnutzen“, sagt Anna Neumann. „So einen Tarif hätte man ihm nicht anbieten dürfen.“

Im Juni wandte sich die Betreuerin deshalb an die HNA (Schwälmer Allgemeine, Ausgabe vom 23. Juni). Nach Beginn unserer Recherchen ruderte der Konzern zurück und erklärte, den Tarif ändern zu wollen. Doch das Konto des Hephata-Bewohners wird laut Neumann weiterhin mit dem vollen Betrag belastet. „Obwohl ich schon mehrfach einen Widerruf der Einzugsermächtigung an die Telekom geschickt habe“, erklärt die Betreuerin.

Am 27. Juli, nachdem sie einen weiteren Monat auf die Tarifänderung gewartet hatte, schickte sie ihre Beschwerdebriefe gebündelt an ein Vorstandsmitglied der Telekom. Einen Tag später entschuldigte sich eine Servicemitarbeiterin telefonisch und per E-Mail dafür, dass Neumann „so lange keine Informationen zum Sachstand“ erhalten habe. Der Tarif sei aus technischen Gründen nicht umgestellt worden, dies würde aber so bald es möglich sei veranlasst. Zudem sei eine Zahlsperre eingerichtet worden, heißt es in der E-Mail, so dass man im Moment nichts abbuchen werde. Am 25. und 30. August sei jedoch erneut der volle Betrag für den teuren Tarif eingezogen worden.

„Nun reicht es mir wirklich“, sagt Neumann, die sich nicht weiter hinhalten lassen möchte und sich daher erneut an unsere Zeitung wandte.

Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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