In Handschellen vor Gericht: Pakistaner zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt

Beilattacke mit 3,18 Promille - vier Monate auf Bewährung

Schwalmstadt. In Handschellen wurde am Donnerstag ein 52-jähriger Pakistaner von zwei Justizvollzugsbeamten bei seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt vorgeführt.

Die gefährliche Körperverletzung, für die der gelernte Bäcker eine dreijährige Bewährungsstrafe erhielt, hatte er allerdings bereits im Februar 2003 begangen. Zwischenzeitlich war er außer Landes gewesen.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er verhaftet worden und saß seit dieser Zeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann, der mit einem Dolmetscher vor Gericht erschienen war, im Zustand verminderter Schuldfähigkeit einem anderen Mann mit einem Küchenbeil eine nicht unerhebliche Verletzung zugefügt zu haben.

Die Tat selbst gab der 52-jährige unumwunden zu. Er begründete sein Verhalten damit, selbst angegriffen worden zu sein. Er sei am 23. Februar 2003 nachts um ein Uhr von seiner Arbeitsstelle in Stadtallendorf zum Asylbewerberheim in Schwalmstadt zurückgekehrt und dort von drei Bekannten aus Offenbach aufgesucht worden.

„Ich war gerade dabei mit einem Beil Fleisch zu hacken. Deshalb hatte ich das Beil auch in der Hand, als ich zur Tür ging“

„Ich hatte viel Alkohol getrunken und war gerade dabei mit einem Beil Fleisch, das ich mir zubereiten wollte, zu hacken. Deshalb hatte ich das Beil auch in der Hand, als ich zur Tür ging“, gab der Mann zu.

An der Tür habe es eine Auseinandersetzung gegeben, in dessen Folge er einen Faustschlag in das Gesicht bekommen habe. Daraufhin habe er mit dem Beil zugeschlagen und einen der drei Männer am Arm verletzt. Für ihn sei es reine Notwehr gewesen, beteuerte der Angeklagte.

Diese Version deckte sich allerdings nicht mit den Zeugenaussagen des Geschädigten und der anderen beiden Männer, die dem Gericht schriftlich vorlagen. Sie hatten zu Protokoll gegeben, dass der 52-Jährige grundlos angegriffen habe.

Ein als Zeuge geladener Polizeibeamter berichtete über wiederholte Begegnungen mit dem Angeklagten bereits vor der Tat. Immer wieder sei es um Vorfälle im Zusammenhang mit Alkohol gegangen. Auch in der Tatnacht sei der Pakistaner stark alkoholisiert gewesen. „Die hinterher festgestellten 3,18 Promille hat man ihm aber kaum angemerkt“, sagte der Polizist.

Verminderte Schuldfähigkeit

Trotzdem gestand das Gericht dem bisher nicht vorbestraften und geständigen Angeklagten eine alkoholbedingte verminderte Schuldfähigkeit zu. Deshalb beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft für die gefährliche Körperverletzung eine Gefängnisstrafe von nur vier Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Diesem Antrag schloss sich der Strafrichter an. Damit konnte der Pakistaner am Ende der Verhandlung das Gerichtsgebäude als freier Mann verlassen. Zusätzlich muss der 52-Jährige, der das Urteil noch im Gerichtssaal annahm, die Kosten des Verfahrens tragen. (zaw)

Quelle: HNA

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