Bilanz beim Ausbildungspakt: Betriebe bekommen mehr qualifizierte Bewerbungen

Beratung zahlt sich aus

Ausbildungsbereich Handwerk: Vor allem im Nahrungsmittelbereich gibt es laut der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder noch viele offene Ausbildungsstellen. Foto: dpa

Schwalm-Eder. Die Berufsberatung zahlt sich aus. Davon sind die Vertreter der Agentur für Arbeit, Kreishandwerkerschaft und IHK überzeugt. „Nahezu alle Bewerber haben dieses Jahr eine betriebliche oder schulische Ausbildung begonnen“, sagte Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit Korbach am Montag.

Die Betriebe in Schwalm-Eder hatten den Angaben zufolge 869 betriebliche Ausbildungsplätze gemeldet. Das sind 112 weniger als im Vorjahr. Dagegen stieg die Zahl der jungen Menschen, die eine Lehrstelle suchten, um 74 auf 1480.

Einerseits seien die Betriebe vorsichtig und warteten ab, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickelt. „Sie haben ihre Ausbildungsquote auf den tatsächlichen Bedarf reduziert.“ Dennoch dürfe niemand zu zögerlich ausbilden, um langfristig gegen Fachkräftemangel gewappnet zu sein.

Im Bereich Tourismus/Sport/Gastronomie wurden der Arbeitsagentur 138 Stellen weniger als im Vorjahr gemeldet. Laut Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit, ist die Ursache unklar. „Vielleicht ist es Resignation, weil die Betriebe glauben, dass sich ohnehin niemand bewirbt“, sagte er. In den vergangenen Jahren hatten Unternehmen zunehmend Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden.

Doppelte Abschlussjahrgänge an den Schulen, der Wegfall des Wehrdienstes und mehr Zulassungsbeschränkungen an Universitäten führten nach Einschätzung Kempers nun dazu, dass es mehr Bewerber am Ausbildungsmarkt gab.

Zudem wirke sich Berufsberatung an Schulen so aus, dass Jugendliche erkennen, dass eine Ausbildung wichtig sei. Sie informierten sich gezielter als noch vor wenigen Jahren.

Obwohl es im Vergleich zum Vorjahr mehr Bewerber gegeben hat, haben vor allem die Handwerksbetriebe Probleme, geeignete Bewerber um Ausbildungsplätze zu finden. Darauf wies Jürgen Altenhof von der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder hin. Er appellierte: „Die Betriebe müssen sich selbst bemühen.“ Aktionen wie zum Beispiel die Bildungsbörse Borken nutzten Arbeitgeber, um sich zu präsentieren.

Auch bei Informationsveranstaltungen an Schulen bemühen sich Altenhof zufolge die Handwerksinnungen, verstärkt präsent zu sein. Positiv sei ein Plus an Ausbildungsverträgen im gewerblich-technischen Bereich.

Intensive Beratung

Laut Gerlinde Meyer vom IHK-Servicezentrum Schwalm-Eder ist dies auch auf intensivere Betreuung der Betriebe zurückzuführen. „Wir beobachten zum Beispiel die Altersstruktur des Personals in den Unternehmen und beraten dementsprechend“, sagte sie.

Wichtig ist es ihr zufolge zudem, Ausbildungsberufe zu modernisieren und somit für junge Menschen attraktiver zu machen. „Aus Buchbinder ist nun Medientechnologe geworden. Das hat zu einem starken Anstieg an Bewerbungen geführt.“ Erfreulich sei, dass die Qualifikation der Bewerber im gesamten Agenturbezirk gestiegen sei.

Im Vergleich zum Vorjahr erlangten 16,7 Prozent mehr Schulabgänger die Fachhochschulreife und 25,3 Prozent mehr die allgemeine Hochschulreife.

Von Stefanie Rösner

Quelle: HNA

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