Ein emotionaler Abschied an der Hermann-Schafft-Schule

Bernd Pfeiffer geht nach 38 Jahren als Lehrer in den Ruhestand

Noch einmal am Plan: Bernd Pfeiffer, Konrektor der Homberger Hermann-Schafft-Schule, geht in den Ruhestand. Foto: Rohde

Homberg. Vor dem Tag ist Bernd Pfeiffer bange: Nach 38 Jahren als Lehrer an der Homberger Hermann-Schafft-Schule verabschiedet er sich am kommenden Dienstag von den Kollegen und geht in den Ruhestand.

„Das wird sehr emotional, ich habe nun mal sehr dicht ans Wasser gebaut“, sagt der 63-Jährige.

Wohl kaum ein anderer kennt die Schule mit Förderschwerpunkt für Hör- und Sehgeschädigte mit ihren 220 Schülern, 60 Lehren und 20 Erziehern so gut wie Bernd Pfeiffer, der seit 1990 Konrektor ist und sich seit zwei Jahren vorwiegend um den Stundenplan, Vertretungen und Organisatorisches kümmert.

Rasante technische Fortschritte habe es gegeben, über die Pfeiffer sehr froh ist. Die Schüler sind beispielsweise in den Klassen nicht mehr mit Höranlagen verkabelt, sondern können sich frei bewegen. „Wir sind sehr gut ausgestattet“, sagt Bernd Pfeiffer. Träger der Schule ist der LWV.

Durch Cochlea-Implantate, die an die Hörschnecke angesetzt werden, haben jetzt auch Menschen, die fast nichts gehört haben, wieder Zugang zur Sprache.

Aber auch in der Pädagogik habe es viele Veränderungen gegeben. Pfeiffer: „Früher hieß es, Hände auf den Rücken. Die Gebärdensprache durfte nicht benutzt werden. Das war quälend für die Kinder.“ Heute werden die Schüler individuell gefördert und können die gleichen Abschlüsse für Haupt- und Realschule ablegen wie an Regelschulen. Obwohl Eltern behinderte Kinder auch an Regelschulen unterrichten lassen könnten (Inklusion), entschieden sich weiterhin viele für die Hermann-Schafft-Schule.

„Emotional bekommt man sehr viel zurück.“

Dass Bernd Pfeiffer als Lehrer an einer Schule für Hörgeschädigte landete, hatte auch mit seiner zehn Jahre jüngeren Schwester zu tun, die beidseitig hochgradig schwerhörig ist. Den Beruf hat der Homberger als erfüllend empfunden. „Emotional bekommt man sehr viel zurück“, sagt er.

Die Einstellung zu Behinderungen habe sich deutlich verändert. „Als ich anfing, waren die Eltern froh, dass sie ihre Kinder hier verstecken konnten, heute möchten sie sie zu Hause haben.“ Die meisten der Schüler aus dem Einzugsbereich zwischen Göttingen, Marburg, Fulda und Cölbe werden täglich gefahren – trotz der weiten Strecken.

Für den Ruhestand hat Bernd Pfeiffer schon einige Pläne. „Ich bin Planer durch und durch. Spontanität ist nicht so mein Ding“, sagt er. Demnächst wird er die Präsidentschaft der Homberger Lions übernehmen, er möchte mit seiner Frau Christa Seniorenfreizeiten betreuen und gehört für die CDU auch noch dem Kreisausschuss an. Reisen außerhalb der Ferien und mehr Zeit für die drei Enkel, das sind Wünsche, die sich jetzt wohl erfüllen lassen.

Von Heinz Rohde

Quelle: HNA

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