Körler Landwirt fuhr 23 Stunden im Traktor zur Demo nach Berlin

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Ein seltenes Bild: Landmaschinen am Brandenburger Tor – mittendrin Bernhard Wicke, der mit seinem 50 Stundenkilometer schnellen Fendt und einer Fahne der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft angereist war.

Körle/Berlin. Bernhard Wicke aus Körle war einer von rund 80 Landwirten, die bei der Grünen Woche in Berlin mit einem Traktoren-Konvoi demonstrierten. „Wir haben es satt“, hatten sich die Bauern auf die Fahnen geschrieben und machten Front gegen Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporte.

Um dabei zu sein, war der 60-jährige Körler am Wochenende 23 Stunden lang mit seinem Fendt-Schlepper bis in die Bundeshauptstadt gefahren. „Mein Rücken hat schon ein bisschen weh getan“, berichtet Wicke.

Dieser Artikel wurde am Dienstag um 17.50 Uhr aktualisiert.

Doch die beschauliche Schlepper-Fernfahrt mit 125 PS sei auf jeden Fall ein Erlebnis gewesen. Auf Neben- und Feldwegen gab es jede Menge zu sehen – beispielsweise Hochwasser an der Elbe, wunderbare Alleen im Osten Deutschlands und gute Böden in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es an vielen Ecken noch 200 Hektar große Ackerflächen, schwärmt Wicke, der in Körle 33 Hektar Land bewirtschaftet.

Wicke hat sich der kleinbäuerlichen Landwirtschaft verschrieben – und das auch, weil er global denkt und die Welternährung im Auge hat. In Afrika beispielsweise könnten Kleinbauern die Lebensmittelversorgung weit besser gewährleisten, wenn europäische Länder den Kontinent nicht mit Billig-Waren ihrer am Weltmarkt orientierten Landwirtschaft überfluteten, ist der Körler überzeugt.

Der 60-Jährige setzt mit seinem Kleinbetrieb seit 1985 auf ökologische Landwirtschaft. Von seinen Feldern holt er vorwiegend Kleegras, Getreide und Kartoffeln. Ziel ist eine Agrarwende Wickes Wirtschaftsweise ist eine von vielen Bausteinen auf dem Weg zu einer Agrarwende, wie sie Wicke und seine Mitstreiter in der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft anstreben.

Der Verein legt seit 15 Jahren einen Welt-Agrarbericht vor – den aktuellen übergaben die demonstrierenden Treckerfahrer in Berlin zusammen mit ihren Forderungen an Staatssekretär Robert Kloos vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, berichtete der Körler. „Einer fuhr nur Tempo 30, danach mussten sich alle richten.“

160 Liter Diesel rauschten allein bei der Anfahrt nach Berlin durch die Maschine von Wickes Fendt. Gestartet war der 60-Jährige in der Nacht mit Reisetempo 50 Stundenkilometern.

Erst im niedersächsischen Seeburg stießen sechs Mitstreiter dazu, und es ging im Konvoi weiter, allerdings langsamer: „Einer fuhr nur 30, danach mussten sich alle richten“, berichtet Wicke. In Berlin war für die Treckerfahrer dann alles organisiert. Von der Herberge für die Nacht bis zur Fahrt zum Berliner Messegelände mit Polizei-Eskorte.

Am Brandenburger Tor kamen schließlich im Verlauf der Demonstration immer mehr Menschen. „Das war ein richtig tolles Erlebnis“, sagt Wicke. Viele Demonstranten hätten ihn angesprochen, Solidarität bekundet und sich für seinen Traktor und die weite Reise interessiert.

 Auf Berliner Straßen sind Landwirte mit Schleppern praktisch nie zu sehen. Es sei schön gewesen, so viele Mitstreiter um sich zu haben, erzählte der Körler nach seiner Rückkehr. Da habe er gespürt: Auch andere hätten es satt und wollten endlich wissen, was sie eigentlich essen.

Quelle: HNA

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