Berufliche Orientierung ist an der Burgsitzschule fest etabliert - hoher Praxisteil

Farbe aufspachteln, gar nicht so leicht: Die Burgsitzschüler üben unter fachkundiger Anleitung in der Jugendwerkstatt Felsberg den Umgang mit Farben und trainieren verschiedene Techniken. Fotos: Schäfer-Marg

Spangenberg. Einen Lauchkuchen kannte Jan Heiwig nicht. Aber jetzt rührt er die Zutaten dafür eifrig in einer Schüssel zusammen. Jan ist einer von 27 Jungen und Mädchen der siebten Klassen im Hauptschulzweig der Burgsitzschule Spangenberg. Sie alle testen in diesen Tagen in der Jugendwerkstatt Felsberg ihre praktischen Fähigkeiten. Diese zweiwöchige Phase ist Teil der Berufsvorbereitung.

Die Burgsitzschule orientiert sich bei der Berufsvorbereitung an den Qualitätsstandards, die sich hinter dem Begriff OloV verbergen: „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit bei der Schaffung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in Hessen“. Klingt sperrig, ist aber von der Idee her genial einfach - jedenfalls so, wie es die Schule seit mittlerweile mehreren Jahren organisiert und sich dabei ein enges Netzwerk örtlicher Unternehmen geschaffen hat.

Chancen zum Schnuppern

Die sind, so berichtet der pädagogische Leiter der Schule, Wilfried Brietzke, höchst interessiert an möglichen Auszubildenden aus der Region und bieten viele Chancen zum Schnuppern in ihren Betrieben. Die enge langfristige Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb gipfelte zum Beispiel im Projekt Plus 5 der Spangenberger Firma Wikus, die seit 2008 eigens für fünf Burgsitzschüler zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung stellt. Ein Projekt, an dem inzwischen auch andere, kleinere Firmen in angepasster Form Interesse haben, erzählt Brietzke.

„Wichtig dabei ist Ehrlichkeit auf beiden Seiten.“

Mit der Berufsorientierung fängt man an der Burgsitzschule schon früh an: Ab Klasse 6 werden im Haupt- und Realschulzweig Elternabende zum Thema angeboten. Ab Klasse 7 wird es ganz konkret. Die Kinder, die derzeit in der Jugendwerkstatt die Berufsbilder Hauswirtschaft, Elektro, Metall und Maler kennenlernen, haben gerade ein Kompetenzfeststellungsverfahren hinter sich: Eigens ausgebildete Fachleute haben die einzelnen Jugendlichen bei der Lösung verschiedener Aufgaben in Kleingruppen beobachtet. Dabei ging es um Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten. Und auch darum, ob persönliche Stärken zum Beispiel im handwerklichen oder im kommunikativen Bereich liegen.

Gut vorbereitet

Mit diesen ersten Erfahrungen im Rücken starten die Jugendlichen in ihre jeweils dreiwöchigen Berufspraktika in den Jahrgangsstufen 8 beziehungsweise 9. Für Wilfried Brietzke sind die Zeiten längst vorbei, in denen diese Praktika „aus der Hüfte geschossen“ besetzt werden. Also, dass ein Schüler irgendwohin geht, weil der Onkel dort arbeitet, oder weil ihm nichts anderes einfällt.

„Die Praktika werden inzwischen entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten der Jugendlichen gelenkt.“ Sie, aber auch die Betriebe, können dann ernsthaft prüfen, ob der Jugendliche in diesem Berufsfeld eine Perspektive hat. „Wichtig ist dabei Ehrlichkeit auf beiden Seiten“, sagt Brietzke.

Schattenpraktika

In Zweifelsfällen vermittelt die Schule immer auch noch „Schattenpraktika“ in anderen betrieben. Dabei können die Schüler drei Tage lang Auszubildende in Firmen begleiten.

Immer wieder schauen

Zwischen den einzelnen Phasen der Beruforientierung überprüfen Lehrer und Schüller stets das Wichtigste: Bin ich auf dem richtigen Weg? Wenn nicht, sucht man gemeinsam nach Alternativen. Mit in diesem Boot sitzen natürlich auch die Eltern. (sis)

Quelle: HNA

Kommentare