Berufswunsch Grundschullehrer im Stresstest

Wollen eines Tages Kinder unterrichten: von links Janik Hoffmann und Fabian Bublitz auf dem Hof der Grundschule Guxhagen. Foto: Grugel

Guxhagen. Wie in vielen Grundschulen sind auch in Guxhagen Männer knapp. Allerdings lockt das Freiwillige Soziale Jahr dort auch junge Männer an, die Grundschullehrer werden möchten.

Sie kommen beide aus Dörnhagen, haben noch nicht lange ihr Abitur und wollen Grundschullehrer werden - einen entscheidenden Unterschied aber gibt es zwischen dem 19-jährigen Fabian Bublitz und dem 18-jährigen Janik Hoffmann: Der Ältere hat seine Berufsentscheidung bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in der Grundschule Guxhagen gefestigt, der Jüngere will ihm nachfolgen.

„Das Soziale Jahr reicht, um diesen Beruf kennen zu lernen.“ 

Das ist zwar nicht vorrangig die Idee eines Sozialen Jahres, im Fall des 19-Jährigen aber ein willkommener Effekt. Abgesehen davon, dass die Grundschule mit Bublitz ein Schuljahr lang einen hatte, der im Unterricht einzelne Kinder unterstützte, Schulfeste mit vorbereitete, Hausaufgaben betreute, im Sekretariat aushalf und vieles mehr stemmte - das Soziale Jahr war für den 19-Jährigen auch eine gute Gelegenheit, den eigenen Berufswunsch zu überprüfen.

Schulleiterin Cathrin Schott stimmt zu, wenn Bublitz bilanziert und berichtet, dass er an der Grundschule der einzige ist, der alle 180 Schüler mit ihrem Namen kennt. Der junge Mann hat alle Unterrichtsstile der Lehrkräfte gesehen und das ganze Spektrum des Fachunterrichts kennen gelernt. So viel Unterricht, wie Bublitz gesehen hat, sieht kein Lehrer in seiner Ausbildung.

Viel entdeckt 

„Ich habe viel entdeckt, was zu mir passt“, sagt der 19-Jährige, der in Kürze in Sachsen-Anhalt studieren möchte: die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch für Grundschulen. Das ist die Zielgruppe, mit der Bublitz künftig arbeiten möchte. Das Soziale Jahr will der junge Mann nicht missen. So viele Erfahrungen, so viele Erkenntnisse brachte es mit sich. Bublitz weiß, wie stressig der Beruf sein und wie viel Freude die Arbeit bereiten kann und dass Lehrer eine Rolle haben, die sie ausfüllen müssen.

All das hört sein Nachfolger gerne. Janik Hoffmann hat nach seinen Schulpraktika bilanziert, dass er eher mit Menschen arbeiten möchte als im Büro seinen Mann zu stehen.

Seinen Berufswunsch Grundschullehrer möchte der 18-Jährige in seinem Sozialen Jahr auf den Prüfstand stellen. Das ist realistisch.

Fabian Bublitz gibt seinem Nachfolger mit auf den Weg: „Das Soziale Jahr reicht, um diesen Beruf kennen zu lernen.“

Hintergrund

Seit dem Jahr 2008 ermöglicht das Hessische Kultusministerium den Einsatz von Freiwilligen an allgemeinbildenden hessischen Schulen auf der Basis des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Dabei kooperiert das Kultusministerium mit Trägerverbänden. Das Programm wird laut Ministeriumssprecher Philipp Bender auch in Zeiten knapper Kassen weitergeführt. Zurzeit können pro Schuljahr 204 FJS-Plätze an allgemeinbildenden öffentlichen Schulen in Hessen mit Freiwilligen besetzt werden. An den Kosten beteiligt sich Wiesbaden mit knapp 1,9 Mio. Euro pro Schuljahr.

Quelle: HNA

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