Stadt sieht Auftrag zur Tempodrosselung

Ziegenhainer kritisieren Straßenverengung

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Fahrbahnverengung: Josef Scherka (Bild) findet das Projekt sinnlos und teuer. Inzwischen ist die Fläche mit Erde verfüllt, später sollen Bäume darauf gepflanzt werden.

Schwalmstadt. „Das ist ein gefährlicher Unfug“, findet Josef Scherka. Der Ziegenhainer bat die HNA-Redaktion zum Ortstermin, um deutlich zu machen, dass dort eine Gefahrenstelle für Autofahrer entstanden sei.

Für eine Verschwendung von Steuern hält Scherka das Projekt auch. Die Rede ist von der inzwischen fertiggestellten Straßenverengung gegenüber der ehemaligen Bäckerei Reidt kurz vor der Einfahrt zum Großen Wallgraben.

Eine bogenförmige Ausbuchtung wurde vom Gehweg aus gebaut, auf der gewonnenen Fläche (siehe Foto) ist ein Beet entstanden, das voraussichtlich mit kleinkronigen Bäumen und Bodendeckern bepflanzt wird, erklärte Jürgen Schneider vom Stadtbauamt. Beabsichtigt sei eine Torwirkung. Die soll die Autofahrer dazu bringen, die Geschwindigkeit zu drosseln. So entspreche es dem Wunsch des Forums Ziegenhain, des Arbeitskreises Festung und des Ortsbeirates. Bis die Bäume stehen, sollen Warnbaken dafür sorgen, dass die Ausbuchtung wahrgenommen wird. Die Breite der Fahrbahn reiche noch immer völlig aus, unterstrich Schneider.

Das sieht etwa Marco Rühl aus Loshausen anders. Er meldete sich bei uns, weil er täglich mit dem Auto nach Kassel pendelt und sich unter anderem über diese Verengung auf seiner Strecke ärgert.

Allerdings ist die Ortsdurchfahrt schon seit 2005 nicht mehr die B 245, sondern eine gewöhnliche innerstädtische Straße. Seither ist der Ruf nach Verkehrsberuhigung immer wieder laut geworden.

Die Verengung sei auch nur ein erster Mosaikstein, sagte uns Bürgermeister Wilhelm Kröll. Auf dem Straßenverlauf durch die Festung solle noch mehr für die Verkehrsberuhigung getan werden, allerdings sei das noch Zukunftsmusik. Geld gibt es dafür kurzfristig nicht, sagte Kröll.

Die jetzt gebaute Verengung gehört finanziell und planerisch zur Umgestaltung der Johann-Gottfried-Seume-Straße, wo historische Funde bei den Kanalarbeiten eine völlige Umplanung zur Folge hatte, Anteil der Stadt daran insgesamt 60 000 Euro.

Von Anne Quehl

Das sagen Inge Ruß-Aigner und Günter Ruß, Sprecher der Gruppe Forum Ziegenhain

"Wir hätten das so abgelehnt", betonten sie im Gespräch mit der HNA. Sie hätten eine Entschleunigung und Verschönerung angeregt, zum Beispiel durch begrünte Mittelinseln. Die hätten dort stehen können, wo die Schraffierungen auf der Fahrbahn sind.

Ihre Vorschläge zum kostengünstigen Umbau hätten sie der Stadt im Herbst gern vorgestellt, doch es habe keine Rückmeldung gegeben. Das habe man als Signal verstanden, dass kurzfristig nichts unternommen werden soll. Vom Bau seien sie dann überrascht worden. Die entstandene Verengung sagt ihnen überhaupt nicht zu, da sie zu wenig bringe, nicht schön und zu teuer sei. Bernd Völker, Vorsitzender des Vereins Arbeitskreis Festung, ist für eine Verkehrsberuhigung, vermisst aber ein Gesamtkonzept.

Er lobt die Initiative der Stadt, vermutet aber ein Missverständnis und schlechte Verständigung mit dem Planer. Dass etwas getan wurde, sei zu begrüßen, mit dem Wie ist der Arbeitskreis aber nicht zufrieden. Grundsätzlich solle der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt zwar verringert und langsamer werden, so sei das Projekt aber nicht mit dem Arbeitskreis Festung abgestimmt. (aqu)

Quelle: HNA

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