David Paczkowski ist Autist - Seine Bilder zeigen die Welt im Detail

„Blickwinkel von David“: Künstler David Paczkowski stößt auf seine Ausstellung an. Foto: Schmidt

Melsungen. Bilder von Bussen, Bahnen aber auch erlebten Alltagssituationen aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen die Werke des autistischen Künstlers David Paczkowski. In der Ausstellung „Blickwinkel von David“ wurden kürzlich seine Fotografien aber auch gemalte Werke und Comics präsentiert.

Die Ausstellung wurde vomArbeitskreis gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) organisiert und präsentiert. Die Fotografien und Bilder des 22-jährigen aus Felsberg zeigen Alltagssituationen aus einem besonderen Blickwinkel.

Paczkowski ist Autist und dokumentiert in seinen Werken nicht nur seine Leidenschaft für Bus´und Bahn, sondern verarbeitet darin auch eigene Erlebnisse. Dabei spielt die Überlagerung der Eindrücke, ein typisches Merkmal des Autismus, eine große Rolle. Viele der Werke, besonders seine Zeichnungen, stellen mehrere Situationen und Emotionen gleichzeitig dar. Sie sind eine Möglichkeit des Ausdrucks von Gefühlen oder Situationen, die er nicht zeigen oder formulieren kann.

Bei Fotografien arbeitet Paczkowski oft mit Spiegelungen in Scheiben von Autos, um die Überlagerung der Eindrücke darzustellen.

„David hat viele Fotos, die auf den ersten Blick gleich erscheinen. Sieht man genauer hin, merkt man, dass die Bilder sich in kleinen Details unterscheiden“, erzählt Paczowskis Betreuer Thomas Völkl.

Genau dieser Aspekt zeichnet die Fotografien aus: der Blick auf die Details. Trotz der Einschränkung der sich überlagernden Eindrücke, fokussiert Paczkowski kleine Unterschiede. Obwohl er auf einem Auge blind ist und auch das andere Auge nur eine Sehstärke von etwa 30 Prozent aufweist, schafft er es, Details zu entdecken.

„David hat eine spezielle Haltung der Finger vor seinen Augen ermittelt, durch welche er andere Eindrücke ausblenden kann“, erklärt Ilona Paczkowski, Mutter des Künstlers. Dadurch verschaffe er sich die Möglichkeit, die Welt im Detail zu betrachten und sieht auch Dinge, die jeder andere ignorieren würde.

Die Austellung sei bereits seit längerem geplant gewesen, nur sei es gar nicht so leicht, die Bilder des Künstlers zu bekommen. „David hat noch viele hundert Bilder auf seinem Computer versteckt, er verrät aber nicht wo“, erzählt Betreuer Jürgen Kehr.

Die Bilder David Paczkowskis wurden nicht nur in der eintägigen Ausstellung gezeigt. Auf der Homepage www.wildecats-welt.de sind einige seiner Werke zu sehen. (rax)

Quelle: HNA

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