Abschaffung der Sargpflicht: Bestatter erwarten kaum Veränderungen

Wolfhager Land. Hessens Muslime haben in der vergangenen Woche während einer Anhörung im Landtag für die Abschaffung der Sargpflicht bei Beerdigungen geworben.

Die SPD will Städte und Gemeinden verpflichten, Bestattungen ohne Sarg aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen zuzulassen. Den Vorstoß der SPD-Fraktion, unterstützen neben Muslimen und Ausländerbeiräten auch Grüne und Linke.

Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche haben zumindest keine theologischen Bedenken. Und die Bestattungshäuser im Wolfhager Landm bleiben unterdessen gelassen. Sie befürchten keinen Rückgang der Aufträge, sollte die Sargpflicht in Hessen tatsächlich abgeschafft werden.

Jochen Heinemann ist Geschäftsführer des Bestattungshauses Heinemann in Wolfhagen. Er hält Särge auch in Zukunft für unverzichtbar: „Auch bei Bestattungen ohne Sarg werden Särge zum Transport benötigt.“ Da diese nach dem Gebrauch natürlich gereinigt und desinfiziert werden müssten, würden sie auch automatisch in Rechnung gestellt.

Zudem könne er sich nicht vorstellen, dass auch christliche Kunden auf Särge verzichten würden um Kosten zu sparen. Bestattungen nach muslimischen Brauch seien die absolute Ausnahme, sagt Heinemann.

Dominik Kracheletz vom gleichnamigen Bestattungshaus in Kassel mit Ausstellung in Wolfhagen sagt: „Wir sehen das gelassen, denn eine Umsetzung der Forderung wäre sehr schwierig“.

Schließlich müssten die Verstorbenen auch transportiert werden. Außerdem sei eine Trauerfeier, selbst bei einer Einäscherung, überhaupt nicht möglich. Dies sei, gerade im Sommer bei Temperaturen um die 30 Grad, aus hygienischen Gründen nicht umsetzbar und das Gesundheitsamt würde dabei ganz sicher nicht mitspielen, sagt Dominik Kracheletz.

Von Jonathan Vorrath und Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

Kommentare