Wann immer es die Gesundheit zulässt, zieht es Bruno Jakobi hinaus in die Natur

Martelsberg: Der beste Blick vom kargen Ort

Da braut sich was zusammen: Bruno Jakobi am Martelsberg, hinter ihm zieht eine Gewitterfront über die Weidelsburg. Der Martelsberg ist seit Veiel Jahren Jakobis bevorzugter Ausflugsort in der Naumburger Gemarkung. Foto:  Norbert Müller

Naumburg. Über der Weidelsburg türmen sich dunkle Wolken. Bruno Jakobi blickt auf die schwarze Gewitterfront, die langsam ostwärts zieht. Vom Naumburger Martelsberg hat er einen hervorragenden Blick auf die Burg.

„Das kann ja was werden“, sagt der 70-Jährige im Angesicht des imposanten Wetterspiels. An seinem Lieblingsplatz, einige Kilometer südöstlich der Burg, ist vom Gewitter noch nichts zu spüren. Die Sonne scheint ihm hier noch kräftig auf seinen Strohhut, sein Markenzeichen, wie Jakobi sagt.

Karge Gegend

Am Martelsberg, nahe der alten Kalkbrüche, ist die Kopfbedeckung bei Sonnenschein unverzichtbar. Weit und breit kein schattenspendender Baum, nur Sträucher. Jede Menge Weißdorn steht hier, der seinen Reiz vor allem in der Blütezeit hat. Eine karge Gegend. Das Gebüsch wächst langsam, verstellt nicht die Sicht. Gut so, denn Bruno Jakobi sagt, „ich komme wegen des fantastischen Panoramas hierher“, und das schon seit vielen, vielen Jahren.

Früher war er täglich mit seinem Hund unterwegs und kam mehrfach pro Woche an sein Aussichtsplätzchen, um die Sicht auf Burg, Weingarten, Felder, Wald und die Stadt zu genießen. Im Gepäck immer ein Fernglas. „Als ich meinen Hund noch hatte, bin ich meist in diese Richtung gezogen. Von hier hat man den besten Blick auf die schönen Ecken von Naumburg.“

„Von hier hat man den besten Blick auf die schönen Ecken von Naumburg.“

Sein Hund, gut 20 Jahre ein treuer Begleiter, lebt nicht mehr, Jakobis Besuche nahe der Kalkbrüche sind seltener geworden. Die Gesundheit spielt halt nicht mehr so mit. Aber wenn sie es zulässt, dann macht er sich gern auf den Weg zu seinem Lieblingsplatz, den er mit seinem Elektro-Rollstuhl flink ansteuert.

1977 hatte Bruno Jakobi einen schweren Autounfall, der ihm, dem jungen selbstständigen Bäckermeister, die vielversprechende berufliche Zukunft raubte. Sein linkes Bein wurde schwer verletzt, ein Teil wurde damals amputiert, Jahre später der Rest bis zur Leiste. Mobil ist der zweifache Vater dennoch. Und so genießt er seine Ausflüge – im Sommer wie im Winter. „Wenn ich hier oben bin, dann kann ich so richtig tief durchatmen“, schwärmt der Naumburger.

In der Altstadt zuhause

Inzwischen sind die dunklen Wolken näher gekommen. Es grollt kräftig, erste Blitze züngeln aus der Gewitterfront. Es ist an der Zeit, sich auf den Heimweg in die Naumburger Altstadt zu machen. Flott und sicher manövriert der 70-Jährige sein kleines Elektromobil über holprige Feldwege. Den Strohhut tief ins Gesicht gezogen, drückt er aufs Tempo.

Über die Jahre hat er gelernt, das Wetter einzuschätzen. Gerade rechtzeitig vor den ersten Tropfen kommt Bruno Jakobi zuhause an. Von seinem Balkon aus kann er sehen, wie der Martelsberg im Regenschleier verschwindet.

Quelle: HNA

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