Johannes Schultheis baut seit seinem zehnten Lebensjahr Nistkästen für Vögel

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Die Nummer eins hängt in seinem Garten: Etwa 80 durchnummerierte Nistkästen hat Johannes Schultheis in Wald und Feld rund um seinen Heimatort Merzhausen verteilt.

Merzhausen. Lehrer Reinel aus Merzhausen war naturverbunden: Und das bekamen auch seine Schüler zu spüren. Denn die, unter ihnen Johannes Schultheis, mussten im Unterricht wieder und wieder Nistkästchen bauen, sie im Wald aufhängen, hegen und pflegen.

Dem Merzhäuser, der damals gerade zehn Jahre alt war, machte die Aufgabe einen Riesenspaß: Und das ist bis heute so geblieben. Der 63-Jährige baut seit 53 Jahren Nistkästen – bisher etwa 400 Stück.

„Wir haben schon als Kinder fasziniert in die Kästen hinein geschaut und regelmäßig Geld gesammelt, um Sonnenblumenkerne zu kaufen“, erzählt Schultheis. Mit den Jahren hat der Merzhäuser die Produktion verfeinert, einen Bauplan und Vorlagen erstellt. „Anfangs habe ich immer verschiedene Kästen gebaut, aber das war mit der Zeit zu aufwendig“, sagt Schultheis. Doch nicht jeder Kasten passt zu jedem Vogel: Behausungen für Halbhöhlenbrüter benötigten ein kleineres Einflugloch als etwa Kästen für Meisen. „Da werden 32 Zentimeter empfohlen“, erklärt der 63-Jährige.

Rund um Merzhausen hängen um die 80 Nistkästen aus eigener Werkstatt: Johannes Schultheis hat sie selbst gezimmert und aufgehängt. „Ich habe mir einen Plan gemacht und die Kästen durchnummeriert – sonst verliere ich den Überblick.“ Mehrmals im Jahr geht Schultheis auf Inspektionstour. Jetzt im Oktober stehe die Säuberung der Kästen an. Bei seinen Runden – die fährt er meist mit dem Hanomag Baujahr 1955 – überprüft er, ob die Kästen noch in Ordnung sind oder ausgetauscht werden müssen. „Es geht immer etwas kaputt“, sagt der Merzhäuser. Manche würden auch schon mal geklaut.

Konstruktion aus Fichte

Die Fichtenholzkonstruktionen mit dem von oben zu öffnenden Dach halten im Durchschnitt 15 Jahre. Das liege aber auch daran, erläutert Schultheis, dass er die Dächer mit Teerpappe versehe. „Das macht die Nistkästen doch recht wetterfest.“

Und die Nistkästen werden von den Vögeln gut angenommen: „Etwa 90 Prozent“, schätzt der 63-Jährige. Beim Blick ins Gelege hat Schultheiß schon so manche Überraschung erlebt. Im Nest einer Blaumeise lagen ein Mal 17 Eier: „Alle Jungvögel sind ausgeflogen“, hat er beobachtet. Ob jedoch alle überlebt haben, kann der Merzhäuser nicht sagen: „Die werden ja dann in den Bäumen sitzend noch weiter gefüttert – da hatten die Eltern reichlich zu tun.“ Was er sich wünsche würde, wären Paten für die Nistkästen.

„Die Zweitklässler hier in Merzhausen sind noch zu klein: Toll wäre eine vierte Klasse“, hat er sich überlegt. Wenn Schultheis nicht gerade in Serie produziert oder durch den Wald streift, ist der 63-Jährige noch als Alleinunterhalter unterwegs.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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