Der neue katholische Militärpfarrer Achim Patton hat selbst Kriegserfahrung

Bestimmt kein Komiker

Frisch gelandet bei den Heeresfliegern: Achim Patton ist neuer katholischer Militärpfarrer am Standort Fritzlar. Foto: Dellit

Fritzlar. Viele, so glaubt Achim Patton, halten ihn für ein Art Himmelskomiker. Der abfällige Begriff trifft auf den neuen katholischen Militärpfarrer in Fritzlar mit Sicherheit nicht zu. Patton hat schon einen Krieg erlebt, als die Bundeswehr dieses Wort noch nicht in den Mund nahm.

Denn Patton war als Pfarrer im afrikanischen Liberia, als dort der Bürgerkrieg tobte. Abgeschnittene Gliedmaßen, Vergewaltigungen, Kindersoldaten, Schießereien – mitten in dieser Hölle auf Erden tat er seinen Dienst.

Pfarrer ohne Abitur

Auch der Weg dahin war ungewöhnlich. Der Pfarrer hat kein Abitur. „Ich war ein miserabler Schüler“, erinnert er sich. So schmiss er nach der 11. Klasse hin und ging zum Bundesgrenzschutz. Dort kreuzte er im seemännisch-nautischen Dienst fünf Jahre über das Meer.

„Dann“, so erzählt er, „packte mich wieder die alte Leidenschaft: Priester werden.“ Patton hatte Priester kennengelernt, die ihn beeindruckten, nun wollte auch er diesen Weg gehen. Aber wie Theologie studieren ohne Abitur? Der damalige Fuldaer Bischof Johannes Dyba schickte ihn auf ein Seminar für Spätberufene.

Nach der Kaplanzeit wollte der gebürtige Saarländer noch nicht auf eine Pfarrstelle. Wieder fragte er Dyba. Der schickte ihn mit Geld und dem Auftrag, Gutes zu tun, nach Afrika. Irgendwann wurde Patton schwer krank und kam in die Tropenklinik nach Würzburg. Er nahm Abschied von Afrika und wurde Militärpfarrer. Wieder zog es ihn auf die Ozeane.

Patton ging zur Marina nach Nordholz. Den größten Teil der Zeit war er bei Einsätzen dabei, vom Elbehochwasser bis zum Indischen Ozean.

Jetzt hat er wieder trockenen Boden unter den Füßen. Der Grund: Patton will in der Nähe seines Vaters sein, der bei Fulda wohnt und schwer krank ist. So ist er von Fritzlar aus auch für Soldaten in Frankenberg, Kassel und Rotenburg zuständig. Gerade in den Einsätzen tauche bei den Soldaten immer wieder die Frage nach der Religion auf, hat der Theologe festgestellt.

Patton erzählt von der Nachtwache auf Schiffen, während der er den Kontakt zu den Soldaten suchte. Einsam und still war es dort, über einer Tasse Kaffee und einen Schokoriegel kam das Gespräch in Gang. Und dann: „Was ich Sie mal fragen wollte, Herr Pfarrer...“

Eines steht für Patton fest: „Religion ist nicht nur ein Thema für Kinder und alte Weiber.“ In Fritzlar will er dafür sorgen, dass das viele erfahren. Und bemerken, dass er kein Himmelskomiker ist.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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