Madina Scharipowa aus Tadschikistan war zu Gast in der Berlin-Tiergarten Schule

Besuch vom Dach der Welt

Gastgeschenke: Madina Scharipowa schenkte Schulleiterin Annette Zeiß links und ihrer Gastgeberin, der Lehrerin Beate Wiegand, Schal und Kaffeewärmer aus ihrer Heimat Tadschikistan. Foto: Thiery

Remsfeld. Madina Scharipowa ist Lehrerin. Doch einen Elternsprechtag hat sie noch nie gehalten. Doch das soll sich ändern. Die 36-Jährige kommt aus Tadschikistan, einem Land im äußersten Zipfel der ehemaligen Sowjetunion, das an China grenzt. Sie lehrt an der Goetheschule in Chudschand Deutsch und war für drei Wochen im Programm „Schulen – Partner der Zukunft“ an der Berlin-Tiergarten-Schule in Remsfeld zu Gast.

Tadschikistan gehörte einst zur UDSSR und wurde 1991 unabhängig. Nach dem Bürgerkrieg bauten die sechs Millionen Einwohner das Land auf. „Es ist wie ein kleines Kind und wir sind stolz auf das Geschaffte“, erzählt Scharipowa. Soziale Marktwirtschaft, Privatisierung, liberaler Außenhandel, Schulen, all das wissen die Tadschiken zu schätzen. Sie wollen lernen und sich entwickeln.

Deshalb wurde vor zehn Jahren die Goetheschule in der Stadt gegründet. Die Kinder lernen dort die deutsche Sprache, könnten vielleicht in Deutschland studieren und Wissen in das Land bringen, so die Hoffnung. Denn Tadschikistan ist trotz der Entwicklung arm. „Es gehört zu den zwölf ärmsten Ländern der Welt“, erzählt Lehrerin Beate Wiegand, die die Tadschikin während ihres Aufenthaltes bei sich aufnahm.

„Unser Umgang miteinander ist anders als hier.“

Madina Scharipowa

„Aber wir haben schon sehr viel geschafft“, sagt Scharipowa und zeigte Bilder von ihrem Zuhause. Fernseher, Internet, vieles ist da. Seit dem vergangenen Jahr gibt es in Tadschikistan Energieprobleme, weil Usbekistan aus politischen Gründen kein Gas liefert. Das kann im Winter hart werden. Im Norden des Landes können es bis zu zehn Grad minus werden. Deshalb werden im Januar erstmals die Winterferien verlängert.

Während ihres Aufenthalts besuchte die Asiatin auch die Umgebung. Mit Beate Wiegand war sie in Kassel und Göttingen, im Theater und im Kino. „In der Schule hospitierte sie und lernte unsere Schule kennen“, sagte Schulleiterin Annette Zeiß. .

„Unser Umgang miteinander ist anders als hier“, sagte Scharipowa. In ihrem Land seien alle sehr diszipliniert. „Wir würden uns im Kollegium nie duzen.“„Wir Tadschiken halten uns zurück. Das gehört zu unserer Kultur und zählt als gutes Benehmen.“ Doch der lockere Ton in der Remsfelder Schule gefällt Scharipowa. Ganz sicher wird es einen Elternsprechtag geben. •  Näheres über das Programm unter: www.pasch-net.de

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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