Universitätsorganist Dr. Wieland Meinhold spielte auf der und erläuterte die Klais-Orgel im Fritzlarer Dom

Zu Besuch bei einer Königin

Einblicke in die Funktionsweise und Konstruktion der Klais-Orgel mit dem prächtigen barocken Orgelprospekt (links) im Fritzlarer Dom erhielten die Besucher der adventlichen Orgelmusik, zu der Fachmann und Universitätsorganist Dr. Wieland Meinhold (rechts und oben) nach Fritzlar angereist war. Danach spielte der Organist Werke zur Adventszeit von der Renaissance bis zur Moderne. Fotos: Auerbach

Fritzlar. Orgeln sind grandiose Musikinstrumente. Wer von ihnen etwas versteht, weiß, dass sie auch handwerkliche Kunstwerke sind. Der Universitätsorganist von Weimar und Erfurt, Dr. Wieland Meinhold, ein renommierter Organist und erfahrener Experte für Orgeln, gab fachmännische Einblicke in die „Königin der Instrumente“.

Am Samstagnachmittag war er in Fritzlar zu Gast und weihte vor seinem Orgelkonzert einige Konzertbesucher in die Geheimnisse der Domorgel von St. Peter ein. Auf der Orgelempore, hautnah am Geschehen, erfuhr man, dass das Instrument von der weltberühmten Orgelbaufamilie Johann Klais in Bonn im Jahr 1929 gebaut worden ist.

Dr. Meinhold hatte viel zu erzählen. So besteht die Orgel aus einem Pfeifenwerk mit 3045 Pfeifen, Windlade, Windversorgung, elektrischer Traktur und Spieltisch mit drei Manualen und Pedal. Das Gesicht der Orgel in Fritzlar ist der prächtige, barocke Orgelprospekt über der Orgelempore.

Vor allem Luft, in der Fachsprache Wind genannt, ist für die Orgel das wesentliche Lebenselement. Denn Wind erzeugt die Töne. Ein elektrischer Motor bläst den Wind durch Windkanäle in die Windlade, auf der die Pfeifen stehen. Drückt der Musiker nun eine Taste auf einem Manual oder ein Pedal unten am Spieltisch, dann öffnet sich über eine elektrische Verbindung das angesteuerte Ventil in der Windlade.

Jede Pfeife kann nur einen einzigen Ton hervorbringen, der in der Tonhöhe abhängig ist von der Länge der Pfeife. In der Domorgel sind die größten Pfeifen etwa fünf Meter hoch und lassen Bass- oder Posaunentöne entstehen. Die kleinsten Pfeifen in Bleistiftstärke messen nur knapp einen Zentimeter.

Das alles führte der Organist an faszinierenden, klingenden Beispielen vor. Den Besuchern wurde deutlich, dass Orgelspiel anstrengt und viel Können erfordert.

Die folgenden 40 Minuten standen unter dem Motto: „Adventliches Orgelkonzert“. Meinhold wählte dazu Werke aus Renaissance, Barock und der Moderne. Souverän beherrschte der Organist das große Instrument. Störend wirkte eine kurze Fehlfunktion. Danach fügte er seinem Spiel auch das Vermögen hinzu, die Stücke zu gestalten und ihnen einen eigenen Klangcharakter zu verleihen.

So entstand in Louis-Claude d‘Aquins „Noel Étranger“ ein Gebilde, in dem sich zarte und mächtige Klänge abwechselten. Traditionell und mit warmen Klangfarben interpretierte der Organist die bekannten Advents- und Weihnachtslieder „In dulci jubilo“, „Es ist ein Ros‘ entsprungen“, „Tochter Zion, freue dich“ und „Maria durch den Dornwald ging“.

Kontrastvoll dazu entfachte er die Klangwucht der Orgel in seiner „Improvisation über den Weihnachtshymnus“ von Samuel Scheidt. Kurzer Beifall.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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