Vizelandrätin Susanne Selbert: Am Markt vorbei geplant

Betreuungsgeld: 101 Anträge in der Region

Wolfhager Land. 101 Eltern aus der Region haben bisher Betreuungsgeld beantragt. Die Antragsteller stammen aus dem gesamten Zuständigkeitsgebiet des Versorgungsamtes Kassel, das den Werra-Meißner-Kreis, den Schwalm-Eder-Kreis, Waldeck-Frankenberg sowie Kassel Stadt und Land umfasst.

Eine Aufschlüsselung der Zahlen nach Kreisen und Städten ist nach Angaben von Gabriele Fischer, Pressesprecherin des RP, nicht möglich.

In ganz Hessen lagen Anfang August bisher rund 630 Anträge vor. Die Regelung für das Betreuungsgeld trat am 1. August in Kraft. Seitdem hat sich die Zahl der Anträge, die beim Regierungspräsidium in Gießen eingehen nahezu verdoppelt.

Von der geringen Gesamtzahl der Anträge ist Marina Felmeden-Dreyer, Leiterin des Kasseler Versorgungsamtes, unbeeindruckt. Generell dauere es bei neuen Regelungen mehrere Monate, bis sie tatsächlich angenommen würden. „Ich rechne mit dem Gros der Antragsteller ab Oktober“, sagte sie. Dann nämlich sei für potenzielle Antragsteller auf Betreuungsgeld der 14 Monate dauernde Anspruch auf Elterngeld abgelaufen. „Ich gehe davon aus, dass diejenigen Eltern, die Elterngeld beanspruchen, am ehesten auch zu den Antragstellern für das Betreuungsgeld gehören“, so Felmeden-Dreyer. Für Susanne Selbert, Vizelandrätin des Landkreises Kassel, ist die geringe Zahl von Anträgen ein „eindeutiges Indiz, dass der Bund am Markt vorbei geplant hat“. Sie habe das Betreuungsgeld von Anfang an für falsch gehalten, da besser in Betreuungsangebote investiert würde, als Eltern noch Geld dafür zu geben, dass sie ihre Kinder nicht in Betreuungseinrichtungen anmelden.

Zudem sehe sie die Gefahr, dass gerade jene Familien die Leistung beantragen, bei denen Kinder von sozialen Kontakten in den Einrichtungen stark profitieren würden, etwa bei mangelnden Sprachkenntnissen.

Von Dieter Salzmann und Lasse Deppe

Quelle: HNA

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