Zu Gast bei Landwirt Jörg Weinhausen

Betriebsbesichtigung nach Bericht über Methoden in der Ferkelzucht

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Hat das Leben noch vor sich: Am Dienstag hielt die Mitarbeiterin eines Schweinemastbetriebs in Rethwisch (Schleswig-Holstein) dieses nur wenige Tage alte Ferkel in der Hand.

Borken. „Es gibt Schwarze Schafe", sagt Jörg Weinhausen (39) unumwunden, „der Diskussion wollen wir uns stellen". Der Mäster und studierte Landwirt hat uns eingeladen, damit wir uns ein Bild von der Haltung seiner 600 Schweine machen können.

Kein riesiger Stall, findet er selbst. Alle Tiere sind schwanzkupiert, alle kastriert. So bezieht sie Weinhausen von einem Ferkelzuchtbetrieb in den neuen Bundesländern mit 6000 Sauen. Klar, sagt Weinhausen, er könnte die Ferkel auch unkupiert bestellen. Darauf verzichtet er, weil er bei diesem Sonderwunsch für bestimmte Kontigente einen Abnahmezwang hätte. Auch gebe es letztlich viele Fragen zum Phänomen Schwanzbeißen. Jedenfalls sei es in Deutschland die absolute Regel, dass den Ferkeln in ihren ersten Lebenstagen der Schwanz gestutzt wird.

Die Abnahme aus einem einzigen Erzeugerbetrieb ist wichtig, um Tiere im identischen Gesundheitszustand zu beziehen.

In Weinhausens Betrieb in Sichtweite zur Bundesstraße 3 zwischen seinem Heimatort Borken-Kerstenhausen und Bad Zwesten werden die Ferkel im Alter von sechs Wochen angeliefert. Seinen Stall hat er 2008 gebaut, gerade im benachbarten Kur- und Klinikstandort habe es damals Befürchtungen gegeben. Doch es stinkt nichts, nichts ist draußen zu hören. Die Biogasanlage auf der Anlage gehört zum innovativen Konzept des Landwirts. Bund, Land und die EU haben Unterstützung geleistet.

Im Jahr 2009 wurde Weinhausens konventioneller Betrieb als „besonders artgerecht“ ausgezeichnet. 17 Millimeter beträgt die Spaltenbreite im Betonboden.

Den Tieren werden herabbaumelnde Elemente wie Kugeln und Brettchen aus Holz angeboten zum Spielen, sie können beständig Wasser trinken und fressen, durch Fenster scheint Tageslicht. Weinhausen denkt über den Einbau von Wühltürmen nach zur Beschäftigung.

Ein durchlüfteter Flur teilt zwei Stallhälften, die wiederum in Abteilungen gegliedert sind, in denen Tiere in 30er Gruppen aufwachsen, mit einem Gewicht von bis zu rund 115 Kilo. Alle zwei Monate kommt eine neue Ferkellieferung mit 240 beziehungsweise 360 Tieren.

„Wir sehen es nicht als Massentierhaltung“, berichtet Jörg Weinhausen. Das Augenmerk liege aber klar darauf, die Arbeit überschaubar zu halten. Trotzdem muss ein Mensch zwei Mal täglich in den Stall. Dort registrieren die Tiere sehr wohl den Besuch der Berichterstatterin, sie sind recht sauber.

Für die ältesten scheint der Platz knapp, ein Quadratmeter pro Schwein, 0,7 Quadratmeter fordert das Gesetz. Sie koten von sich aus in einer bestimmten Ecke, erzählt Jörg Weinhausen. Als QS-1-Betrieb wird sein Stall nur alle drei Jahre inspiziert. Weniger vorzeigbare Betriebe haben Q2 oder Q3, dann kommen die Prüfer öfter.

Als „Selbstmischer“ verfüttern die Weinhausens eigens Getreide, „wir sind ein klassischer Gemischtbetrieb“.

Der schlechte Ruf der Branche sei zum Teil hausgemacht, „unsere Öffentlichkeitsarbeit ist nicht gut“. Es werde zurzeit nur über Negatives berichtet, dabei sei es im Interesse des Bauern, gute Bedingungen zu bieten. „Tiere wachsen ordentlich, wenn ich sie ordentlich behandele“, sagt Jörg Weinhausen.

Es sei ein Standard-Stall, versichern Jörg Weinhausen und sein Vater Karl (63). „Wir wollen uns der Diskussion stellen, mit Kritik haben wir kein Problem.“ Nur eines sollte man nicht tun, meinen die Beiden: „Alles nur schwarz oder weiß sehen.“

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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