Betriebsrat von Edeka Hessenring weist Vorwürfe von Verdi zurück

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Sprechen für 1100 Mitarbeiter: Betriebsratsvorsitzender Jürgen Lexa und die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Nicole Ammann der Edeka Handelsgesellschaft Hessenring.

Melsungen. Keine Lohnerhöhungen und Mitarbeiter, die Dauerspätschichten schieben - diese und andere Vorwürfe hat Verdi Hessen jüngst gegen die Edeka Hessenring erneuert.

Der Betriebsrat des Melsunger Unternehmens meldet sich jetzt zu Wort. Jürgen Lexa, Betriebsratsvorsitzender, im HNA-Gespräch: „Es ist nicht wahr, dass 8300 Mitarbeiter seit drei Jahren keine Lohnerhöhung bekommen haben. Seit 2000 bin ich Betriebsratsvorsitzender und seither habe ich mich jedes Jahr für Lohnerhöhungen eingesetzt.“ Lexa stellt klar: Edeka Hessenring sei ein komplexes Gebilde mit 23 Betriebsratsgremien.

Lexa: Als Vorsitzender des Betriebsratsgremiums im Mutterunternehmen könne er daher nur für die Melsunger Arbeitnehmer sprechen. Und für die 1100 Mitarbeiter im Melsunger Unternehmen gab es kein Jahr ohne Lohnerhöhung, meist hätte der Betriebsrat sogar mehr herausschlagen können, als der Tarifabschluss vorgab.

Betriebliche Altersvorsorge 

Als überzeugter Gewerkschafter kann Lexa das Verhalten von Verdi Hessen nicht verstehen. Edeka Hessenring habe sich immer nach vorne bewegt und schon früh für die Melsunger Mitarbeiter mit einer betrieblichen Altersvorsorge vorgesorgt.

Verdi kritisiert außerdem das geänderte Arbeitszeitmodell in der Frischdienstabteilung. Fast 100 Angestellte arbeiteten dort regelmäßig von 14 bis 22.30 Uhr. Verdi-Gewerkschaftssekretär Manuel Sauer warf der Unternehmensleitung während der Betriebsrätekonferenz in Melsungen vor, dass die Melsunger Mitarbeiter in den vergangenen Jahren viele Verschlechterungen und Erschwernisse hätten hinnehmen müssen.

Lexa erklärt, dass sich nur in der Abteilung Frisches Obst und Gemüse mit Molkereiprodukten, dem Frische-Dienst, etwas verändert hätte. Dort würden Mitarbeiter schon seit Jahren in Spätschichten arbeiten. Im Januar 2014 seien die Arbeitszeiten umstrukturiert worden. Nicole Ammann, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende: „Die Mitarbeiter beginnen jetzt nicht mehr um 11 Uhr mit der Arbeit, sondern erst um 14 Uhr.“

Im Frische-Dienst werde sechs Tage die Woche gearbeitet, montags bis mittwochs von 14 bis 22.30 Uhr, Donnerstag, Freitag und Sonntag jeweils von 12 bis 19 Uhr. Jeder Mitarbeiter arbeite fünf Tage. „70 bis 80 Mitarbeiter sind von diesem Spätdienst betroffen“, berichtet Lexa. Neue Mitarbeiter würden über diese Arbeitszeiten genauestens informiert. Lexa: „Jedem neuen Mitarbeiter sage ich, dass er diese Arbeitszeiten genau mit seiner Familie absprechen muss, denn er muss ja auch noch sonntags arbeiten.“

Edeka Hessenring hat seit 2012 keine Tarifbindung. Der Betriebsrat des Unternehmens sprach sich für einen Haustarifvertrag aus, dieser müsse aber gut überlegt sein. Lexa: „Unsere betriebliche Altersversorgung muss integriert werden.“ Das Melsunger Unternehmen zahle jeden Monat knapp 100 Euro in die betriebliche Altervorsorge jedes Mitarbeiters. Deswegen sei ein Haustarifvertrag nicht einfach zu formulieren, sagt Lexa.

Die Anschuldigungen von Verdi anlässlich der Betriebsrätekonferenz hätten sie getroffen: „Im vergangenen Jahr schien es mir, als hätte uns die Konferenz zusammengebracht. Jetzt denke ich, dass wir uns voneinander entfernt haben“, sagt Ammann.

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Im Vergleich zum öffentlichen Dienst gelten die Arbeitsbedingungen in der freien Wirtschaft als härter. Starre Arbeitszeitmodelle, kein Ausgleich für geleistete Mehrarbeit und keine Tarifbindung. Bei der Edeka Hessenring in Melsungen arbeiten beispielsweise die Mitarbeiter der Abteilung Frischdienst in einer Dauerspätschicht.

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Quelle: HNA

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