Tresor aus der Wand gerissen: 34-jähriger Panzerknacker auf Bewährung verurteilt

Kassel/Bad Emstal. Plötzlich waren es fünf. Bereits vor zwei Jahren hat das Kasseler Amtsgericht zwei Männer ins Gefängnis geschickt, weil sie im März 2007 einen 600-Kilogramm-Tresor aus einem Schreibwarengeschäft in Bad Emstal gestohlen hatten. Am Donnerstag wurde der Dritte im Bunde verurteilt.

Er kam mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Doch auch das könnte das Ende noch nicht gewesen sein: Bevor die Verhandlung vor dem Schöffengericht begann, offenbarte sich einer der schon verurteilten Einbrecher: In Wirklichkeit, sagte der 31-Jährige, seien sie damals sogar zu fünft gewesen.

Ein Geständnis, das zu spät kam: Als dem Mann, der jetzt als Zeuge gegen seinen einstigen Kompagnon geladen war, der Prozess gemacht worden war, hatte er den rabiaten Einbruchsdiebstahl trotz klarer DNA-Spuren geleugnet – und war deshalb nicht an einer Haftstrafe vorbei gekommen.

Sein nun angeklagter Mittäter macht es besser: Der 34-Jährige aus Gelsenkirchen lässt über seinen Anwalt erklären, dass er alles zugebe: „Es wird nicht bestritten“, sagt Verteidiger Yücel Arslan. „Der Tatbeitrag stimmt.“

In dem Emstaler Schreibwarenladen hatten es die Panzerknacker auf den Safe der angeschlossenen Postfiliale abgesehen. Knapp 9000 Euro Bargeld plus Briefmarkenvorräte lagerten in dem 1,60 Meter hohen Tresor, den die Männer brutal aus der Wand rissen, in einen Wald bugsierten und aufbrachen.

Außerdem nahmen sie Zigaretten, Rubbellose und weitere Waren im Wert von insgesamt rund 12.000 Euro mit. Einen zweiten, 300 Kilogramm schweren Panzerschrank stellten sich die Einbrecher zwar noch zum Abtransport bereit, ließen ihn dann aber doch stehen.

Aus Liebe

„Er war damals mittellos und orientierungslos“, sagt Anwalt Arslan über seinen Mandanten. „Doch er wollte der Frau, die er liebte, etwas bieten können.“ Und offenbar hatte das Werben Erfolg: Mittlerweile ist der 34-Jährige mit der Dame seines Herzens verheiratet, vor vier Monaten kam seine Tochter zur Welt.

Seine kriminelle Karriere hat der Mann jedoch an den Nagel gehängt – allerdings erst, nachdem er mit seinen Safeknackerkollegen 2007 noch zweimal im Westerwald zugeschlagen hatte.

Die Strafe, die er dafür bereits kassiert hat, floss jetzt in das Urteil des Kasseler Amtsgerichts mit ein.

Der Angeklagte, sagt der Verteidiger, habe sich zu den Diebeszügen überreden lassen. Treibende Kraft aber sei nicht er gewesen, sondern ein „Mann vom Fach“: ein Profieinbrecher, der sich schon wegen mehr als 40 derartiger Einbrüche vor Gericht habe verantworten müssen. Auch in Bad Emstal soll er dabei gewesen sein – als einer der zwei Mittäter, von denen die Staatsanwaltschaft bis zum gestrigen Tag nichts wusste.

Der geknackte Safe aus dem Schreibwarengeschäft könnte das Amtsgericht demnächst also noch ein drittes Mal beschäftigen.

Quelle: HNA

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