Bewährungshilfe sucht Helfer: Keine Angst vor Straftätern

Schwalm-Eder. Eckhard Sander hilft Straftätern zurück ins Leben. Er ist ehrenamtlicher Helfer bei der Bewährungshilfe in Fritzlar. Er pflegt den Umgang mit Räubern und Drogenabhängigen, und es macht ihm Spaß. Doch etwas fehlt: weitere Helfer.

In Fritzlar und Umgebung gibt es derzeit lediglich drei andere Menschen, die sich für eine solche Aufgabe begeistern. Harald Rüter, ehemaliger Feldjäger, ist einer von ihnen: „Ich finde es toll, was ich von den Menschen zurückbekomme.“ Viele seien allein und einsam, sagt der 62-Jährige. Die Hilfe, die die beiden leisten, ist dabei ganz praktisch angelegt.

Das kann ein Behördengang oder Unterstützung bei der Wohnungs- und Jobsuche sein. Frauen willkommen Sander hat jüngst einer jungen Frau geholfen, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Für den pensionierten Berufsschullehrer fachlich keine große Sache. „Wir sind aber auch Vertraute und Ansprechpartner, wenn es um andere Dinge geht“, sagt Sander.

Eine Betreuung zieht sich im Normalfall über mehrere Monate oder gar Jahre hin. Je nachdem wie das Verhältnis zwischen dem Helfer und dem Straftäter ist und wie lange der Richter die Bewährungshilfe angeordnet hat. Rüter und Sander engagieren sich über den Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen. Projektleiterin und zuständig für Nordhessen ist Sibylle Lachmitz. „Wir würden uns in unserem Team vor allem auch mehr Frauen wünschen“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie betreut die ehrenamtlichen Helfer des Vereins und arbeitet mit den jeweiligen Bewährungshilfen zusammen. In Fritzlar sind Claudia Langer, Heinz Guderjahn und Christoph Mankel beschäftigt. Die hauptberuflichen Bewährungshelfer betreuen durchschnittlich bis zu 90 Straftäter.

„Da bleibe nicht viel Zeit“, sagt Guderjahn. Daher sei die Unterstützung der Ehrenamtlichen so wertvoll. Denn die Bewährungshelfer kontrollieren nicht nur, sie wollen in erster Linie helfen. Viele der Probanden, so nennen die Bewährungshelfer ihre Schützlinge, seien Verurteilte nach dem Jugendstrafrecht. Sexualstraftäter seien nicht darunter, die würden speziell betreut. „Aber ansonsten haben wir alles, was das Strafgesetzbuch hergibt“, sagt Claudia Langer.

Die Ehrenamtlichen würden geschützt. Jeder könne sich aussuchen, ob er einen Fall übernehme oder ablehne. Im Vorfeld gebe es ausführliche Gespräche und dem Ehrenamtlichen wird eine spezifische Aufgabe übertragen: zum Beispiel schulische Nachhilfe. Auf die Arbeit werden die Freiwilligen mit Schulungen vorbereitet und die Umlagen, die durch die Arbeit anfallen, wie Fahrtkosten und Geld für einen Kaffee würden übernommen. „Jeder Ehrenamtliche kann festlegen, wie viel Zeit er zur Verfügung stellen möchte“, sagt Lachmitz. Bei Rüter und Sander seien es zum Beispiel drei bis vier Stunden wöchentlich.

Quelle: HNA

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