Wüste Beschimpfungen

"Widerliche und strafbare Meinungsäußerungen": Bewährungsstrafe für Rentner

Fritzlar. Der zweite Verhandlungstag gegen einen 78 jährigen wegen Volksverhetzung vor dem Amtsgericht Fritzlar begann mit der Zeugenanhörung. Zwei Schulsekretärinnen erhielten Karten mit wüsten Beschimpfungen: „Was wächst da für ein Ungeziefer heran!"

In zeitnahen Abständen gab es Telefonate derselben Art. Versuche, mit dem Anrufer zu reden, schlugen fehl. Wurde die Weiterleitung an den Schulleiter angekündigt, brach der Anruf ab. Die Schule hatte schließlich 2012 Anzeige erstattet. Der lange Zeitraum bis zur Verhandlung erklärt sich aus dem Auftrag des Gerichtes, den Täter medizinisch untersuchen zu lassen.

Die bestellte Gutachterin schilderte die Unmöglichkeit, einen Kontakt herzustellen. So erfolgte die Einweisung in eine Klinik. Der körperliche Zustand des Patienten war gut. Eine psychische Erkrankung wurde nicht festgestellt.

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Es gab jedoch einige Auffälligkeiten wie etwa Angstzustände, Spannungskopfschmerzen und emotionale Distanziertheit. Die Gutachterin hielt eine verminderte Schuldfähigkeit für denkbar.

Der Oberstaatsanwalt trug im Plädoyer vor, dass alle sieben Anklagepunkte in der Verhandlung bestätigt wurden, darunter die Störung des öffentlichen Friedens durch Volksverhetzung. Er beantragte zehn Monate Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1000 Euro. Das Gericht schloss sich dem Antrag an. Die Geldstrafe soll an den Starthilfe-Ausbildungsverbund gezahlt werden. Das geschieht in kleinen Raten von jeweils 50 Euro.

In der Urteilsbegründung heißt es, so solle der Verurteilte sich möglichst lange an das Geschehen erinnern, um hoffentlich künftig derart widerliche und strafbare Meinungsäußerungen zu unterlassen.

Das Gericht hatte Tür und Fenster des Saales öffnen lassen. Der Durchzug sorgte für frische Luft. (me)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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