Anna Hutter ist Expertin für Kräuter und vermittelt ihre Kenntnisse über die Wirkung

Sie bewahrt altes Wissen

Kräuterweib: Anna Hutter ist in ihrem Element. Die 26-jährige Fritzlarerin kennt sich mit Kräutern aus und führt im Sommer Gruppen durch die Ederaue. Foto: Thiery

Fritzlar. November ist nicht der perfekte Monat für die Kräutersuche, aber Anna Hutter aus Fritzlar geht den Weg in der Ederaue ab, auf dem sie von März bis Oktober Führungen anbietet.

Brennnesseln und Miere säumen den Wegesrand, hier und da lugt noch ein Löwenzahn aus dem Gras. Die Blüten sind natürlich nicht so satt wie im Sommer. Im Winter ziehen sich die Säfte der Kräuter in die Wurzel. Die 26-Jährige hat eine starke Verbindung zur Natur und folgt ihrer Berufung. Sie sagt: „Ich bin eine Kräuterfrau.“

Beim Anblick der zierlichen und vitalen Sozialpädagogin will man dem Klischee einer Kräuterfrau nicht folgen. Eine moderne junge Frau, die vor Begeisterung nur so sprüht. „Ich will das alte Naturkundewissen weiter geben“, sagt sie. Nach dem Studium des Sozialwesens in Kassel bildete sie sich in der Heilpflanzenkunde weiter, sie lernte viel über Kräuter und wie sie zum Wohlbefinden beitragen können.

Keine Esoterik

„Ich war schon als Kind an der Natur sehr interessiert“, sagt die aus Kasachstan stammende und in Bad Wildungen aufgewachsene Frau.

Das alte Wissen der heilkundigen Frauen aus dem Mittelalter sei mittlerweile wissenschaftlich bewiesen und füge sich so in die Moderne ein. „Mit Esoterik hat das nichts zu tun“, erklärt sie.

Da schwenkt sie mit ihren Erzählungen zum Giersch um. Der unterstütze bei Krankheiten wie Rheuma und Gicht und eigne sich in Kombination mit der Brennnessel prima für eine Entschlackungskur im Frühjahr. Das Thema der Kräuterheilkunde ist für die junge Frau aber nicht ganz einfach. „Ich darf nicht therapieren. Anwendungen mit Kräutern müssen immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Jeder Körper ist anders und reagiert dementsprechend,“ betont sie. Von Selbstmedikation rät sie ab.

Der Abschluss der Phytotherapeutin ist zwar in Österreich anerkannt, aber nicht in Deutschland. Daher spezialisierte Anna Hutter sich auf den pädagogischen Bereich. Sie arbeitet als umweltpädagogische Honorarkraft, führt Kinder im Wildpark Knüll durch den Wald, bestimmt Kräuter, erzählt Geschichten dazu und kocht. Als Kräuterweib verkleidet besucht sie mittelalterliche Märkte. Ihre kleine Firma, über die sie diese Angebote und Kräuterführungen abwickelt, nennt Anna Hutter Haggeflüster – das zeigt die Verbindung zu den Hageweibern.

In ihrer Küche probiert Anna Hutter vieles aus, sie fertigt Tinkturen und Tees und probiert unermüdlich eigene Rezepte aus. Das Thema ist unerschöpflich, meint sie. Die fachkundige Kräuterfrau gibt sogar eine Wetterprognose: St. Martin sei ein Lostag in der alten Wetterkunde. „Es war sonnig, also wird der Winter kalt und lang“, fügt das Kräuterweib hinzu. Sie freut sich schon auf die ersten frischen Kräuter im Frühling.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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