Bild erzählt Geschichte(n) - Bahnhaltestellen waren ein Ereignis

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Ein neuer Haltepunkt für Adelshausen: Das Foto stammt laut Reinhold Salzmann aus dem Jahr 1948 und nicht aus 1949, wie es angegeben war.

Adelshausen/Mörshausen. Seit einigen Jahren gibt die Melsunger „Rosenapotheke" einen Kalender heraus, dessen Monatsblätter mit historischen Fotos aus Melsungen und Umgebung illustriert sind. Dem Alheimer Reinhold Salzmann (65) ist bei dem Blatt für den August 2014 ein Fehler aufgefallen.

Das Blatt zeige ein Foto, das - so die Unterschrift - die „Einweihung des Haltepunktes Adelshausen am 1. August 1949“ zeigt. Da sich Salzmann seit vielen Jahren mit nordhessischer Eisenbahngeschichte befasst, fiel ihm das bis dahin unbekannte Foto sofort auf, nicht zuletzt, weil das Datum „1. August 1949“ nicht stimmen konnte.

Einweihung im Oktober 1948 

Laut Salzmann fand die Einweihung des Haltepunktes in Adelshausen am 3. Oktober 1948 statt und nicht im Jahr 1949. Das Jahr 1948 sei ein wichtiger Anhaltspunkt, der Zeitraum erkläre viele auf dem Bild erkennbare Details. Ein Beispiel sei der Zustand des Gebäudes, der eher auf ein Richtfest als auf eine Einweihung hinweise.

Die damals selbstständige Gemeinde Adelshausen hatte bereits im Januar 1947 beschlossen, anstelle der ursprünglichen Haltestelle, die auf halber Strecke zwischen Adelshausen und Mörshausen lag, eine nahe beim Dorf gelegene Haltestelle einzurichten.

Das Dorf steuerte 3000 Reichsmark (RM) zum Bau bei. Das Geld war da, doch die Baumaterialien fehlten in den Nachkriegsjahren, sagte Salzmann.

Im Juni 1948 habe die Gemeinde durch die Währungsreform zudem all ihr Geld verloren. Alle Männer aus Adelshausen mussten deshalb beim Bau mitarbeiten: Erst im September 1948 wurde der Grundstein gelegt. So erklärt sich, dass bis zur Einweihung am 3. Oktober 1948 der Bau noch nicht vollendet werden konnte.

Richtfest am Bahnhof: Auch Mörshausen erhielt durch den Bau der neuen Brücke über die Fulda einen neuen Haltepunkt der Bahn.

Vorne an der Lok ist laut Salzmann ein Schild angebracht worden, auf dem steht: „Für die neue Brücke dankt Mörshausen!“ Wieso aber dankt Mörshausen? Gemeint sei die Eisenbahnbrücke über die Fulda bei Malsfeld, die im März 1945 durch Güterwaggons zerstört worden war. Die Waggons hätten sich in Oberbeisheim von einem Zug losgerissen und waren mit wachsender Geschwindigkeit ins Tal gerast.

Dort entgleisten sie auf der Malsfelder Fuldabrücke. Im August 1948 wurden die neuen Brückenteile eingebaut, und nach Abschluss der Arbeiten konnte ab dem 3. Oktober 1948 die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden, erklärt Salzmann.

Wieso aber dankt Mörshausen? Die Mörshäuser hatten durch die Währungsreform 1948 ebenfalls ihr Geld verloren und machten sich daran, mit Eigeninitiative das Vorhaben zu retten.

Dies gelang: Im September 1948 konnte Richtfest feiert werden, und zeitgleich mit Adelshausen wurde der neue Haltepunkt Mörshausen am 3. Oktober in Betrieb genommen. (red/mli)

Quelle: HNA

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