Ein Bild der Verwüstung

Historisches Gebäude in Wolfhagen eingestürzt

+
Aus besseren Tagen: Dieses Foto zeigt das historische Fachwerkhaus an der Triangelstraße vor vielen Jahren.

Wolfhagen. In der Wolfhager Innenstadt ist der Dachstuhl eines vor 366 Jahre erbauten Gebäudes eingestürzt. Seitdem bietet sich auf dem Hof des Anwesens an der Triangelstraße ein Bild der Verwüstung.

Die Ziegeln liegen zertrümmert auf dem Boden, überall lehnen zerbrochene Dachlatten an den Grundmauern des Hauses, das als Dielenhaus gebaut wurde, aber zuletzt nur noch als Scheune angesehen wurde.

Bei dem Einsturz am Montagabend gegen 21 Uhr kam niemand zu Schaden.  „Als der erste Schreck vorbei war, war ich nur noch froh, dass es keine Personenschäden gab“, erzählt Dieter Spangenberg, Besitzer der Scheune.

Er habe es zu Hause laut rappeln hören, woraufhin er zur Scheune lief und die Trümmer sah. Darunter wurden drei Mülltonnen begraben, durch den Ziegel-Regen wurde das Auto eines Nachbarn beschädigt. Am nächsten Morgen seien gleich das Ordnungsamt und die Denkmalschutzbehörde informiert und die Baustelle gesichert worden, sagt er.

Das historische Gebäude soll laut Spangenberg in sehr schlechtem Zustand gewesen sein. „Sie wurde von uns nicht benutzt und stand leer“, sagt Spangenberg und führt fort, „mein Vater wollte die Scheune schon vor 25 Jahren abreißen lassen. Schon damals war viel verfault“, berichtet der Grundstückbesitzer.

Deshalb habe er das Gebäude nicht als ausbaufähig empfunden und keinen Wert auf Sanierung gelegt. „Aber mit einem Einsturz hätte ich nie gerechnet“, sagt er. Deutliche Anzeichen dafür gab es nach Angaben Spangenbergs nicht.

Vor über zwei Jahrzehnten wurden bereits Abriss-Anträge gestellt, die jedoch von den zuständigen Behörden abgelehnt wurden, weil die Scheune als Einzelbaudenkmal gelistet wurde. Doch wegen des zunehmend verfallenen Zustandes sei diese Tatsache laut Spangenberg geändert worden. Das Landesamt für Denkmalschutz bestätigt, dass die Scheune nur noch als Teil einer gesamten denkmalgeschützten Anlage zähle.

„Jetzt werde ich einen Antrag auf Abriss stellen und denke, dass gute Chancen bestehen“, sagt er. Hierbei entstünden Kosten von bis zu 20.000 Euro. Geld von der Versicherung steht ihm nicht zu, verrät er. Anders hätte dies beispielsweise bei einem Brand ausgesehen.

„Leider ist das kein Einzelfall“, sagt Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake. Es komme immer wieder vor, „dass Häuser lange leer stehen, vor sich hingammeln und dann auch irgendwann zusammenfallen können.“ Er appelliert an die Besitzer solcher Gebäude, solche Fälle zu vermeiden und gegebenenfalls Lösungen mit der Denkmalpflege zu erarbeiten.

Von Nico Beck

Quelle: HNA

Kommentare